Sonntag, Juni 28, 2009

ich in irgendwo, tut nichts zur Sache eigentlich, aber schöner Tisch ...

This was Michael



In meinem Umfeld gab es zum Tode von Michael Jackson die verschiedensten Reaktionen. Irgendwie bewegt sich grad alles zwischen den Polen Hass, Liebe und Kerzenanzünden und ich weiß auch nicht, wieviel Trauer wirklich gut für mich ist, die ich für diesen Mann empfinden kann. Vor kurzem ist übrigens die Nachbarskatze von einem Volvo überfahren worden, ich war zur Beerdigung eingeladen (der kleine dreckige Nachbarsjunge von acht Jahren stand total zerzaust vor meiner Wohnungstür und hielt mir einen Zettel hin auf dem zu lesen war: "Jochen ist tot wegen ein Auto ihn überfahren, Beerdigung bei uns Garten, am Donnerstag 15 Uhr, Kaffee, Kuchen, Schokolade und Chips selber mitbringen, Leon ...") und ich bin nicht dagewesen, weil mir das zu traurig war.

Bei Michael Jackson ist das jetzt irgendwie anders. Irgendwie findet da ein Bezug statt und zwar einer, der mit deutlich macht, irgendwo in der Mitte meines Lebens rumzustehen und schon einiges erlebt zu haben, was nicht immer nach Frühling roch. Der Typ war Teil meiner Jugend, Teil meines Gefühlslebens zwischen 8 und 14 Jahren und egal, wie sein Gesicht aussah, ich war von seiner Coolness angetan. Er gewann sogar den Coolnesswettbewerb gegen meinen auch schon verstorbenen sonstigen Helden zu der Zeit: Falko. Falko war der erste weiße Rapper, für die, die ihn nicht mehr kennen. Ein emotional Man, der hinter Sonnenbrillengläsern wohnte und in dessen Welt es nur Selbstgerechtigkeit zu geben schien. Das fand ich cool und einen Song wie "Jeanny" gab es bislang auch kein zweites Mal.

Aber Michael Jackson war dann sowas wie ein Popfreund, den man gutfinden kann, um sich selbst künstlich zu besonderen. Skandale wie "neue Nase" oder "milde Bleiche" oder aber "Fummeln mit Liz Taylor" waren für mich nie ein Grund, ihn irgendwie kacke zu finden. Er moonwalkte sich in mein Kinderherz und ich war unendlich dankbar dafür, auch endlich einen Popstar zum Gutfinden zu haben, der zwar kaum Identifikationspotential bot, dafür aber unendlich viele Mystifikationsmöglichkeiten. Ich glaube, er war der Grundsteinleger für meine heutige Verhaltensauffälligkeit komische Menschen zu mögen.

Obwohl der Mann so ultrapopulär war, hat er doch polarisiert wie kaum ein Zweiter. Wie gesagt, es gibt hier in meinem Umfeld Leute, die spontan in Tränen ausbrachen, als sie vom Tode des Popstars hörten, aus einem Nachbarhaus hörte ich heute den ganzen Tag in voller Lautstärke "Beat it" und ich weiß, dass in diesem Haus eine alleinstehende Achtzigjährige wohnt, die nur noch zum Einkaufen oder zum Köterrumschleifen vor die Tür geht.

Der ungefähr vierzigjährige arbeitslose Junge aus meiner Nachbarschaft zum Beispiel, der, der immer öffentlich Vodka aus der Flasche trinkt und auch genau so riecht und dann mit seinem Auto ständig rythmisch gegen die Hauswand fährt, der hat mich vorgestern angehalten und mich gefragt: "Paffe Fresse, Kacktyp?" Als ich entschieden verneinte, meinte er: " Also ich weiss ja nich, ob das irgendwer mitbekommen hat, aber wer ständig Kinder bei sich pennen lässt und Vätern und Müttern atemberaubend hohe Schweigesummen in finanzkrisenbeendender Millionenhöhe zahlt, um es nicht zu einer Anklage wegen Vergewaltigung kommen zu lassen, der, also echt mal, der hätte schon vor 15 Jahren von 20 heroinabhängigen Preisboxern auf Tanzpille zu Tode gebumst werden sollen." Typ schwieg dann und trank einen großen Schluck aus der Arbeitslosenpulle und als ich nur nickte und nichts sagte, brüllte er mich wieder an: "Paffe Fresse?" Ich verneinte erneut und ging weiter. Er rief mir noch ein " ... uncharmanten Tag in der Hölle des selbstverzweifelten Daseins ..." hinterher und ich wußte, dass er eigentlich sich selbst meinte.

Zuhause dann wurde meine eigene Verbindung zu Michael Jackson bewußt. Als ich so 12 oder 13 Jahre alt war und die Bad Platte gerade aktuell war, war ich einer der talentfreisten Michael Jackson Imitatoren. Total Popkultur war damals die sogenannte Mini Playback Show (mit der niederländischen Behindertenimitatorin und Pädagogikversagerin Mareike Amado) und dieses Format gab es damals auf fast jedem Kinderfest, zu dem ich eingeladen war. Also jedes Kind suchte sich seinen Lieblingssong aus und imitierte ihn mit einem Mikrofonersatz in der Hand. Ich weiß noch wie die damals vielleicht 11jährige Sabrina (Name geändert) beim Madonnaimitieren von Like a virgin sich salzige Erdnüsse in ihre Geschlechtsöffnung steckte und dann tanzte, als würde sie von drogensüchtigen Bauarbeitern durch die Gegend geschubst werden. Sie tanzte so lange bis sie hinfiel, dann aß sie zwei Buntstifte und benutzte Asthmaspray für die Vermeidung von Totgehen und den Rest der Party saß sie total autistisch da und wollte auch später nicht nach Hause gehen, weil sie Angst vor ihrer Mutter hatte, die ihr auch diese Art zu tanzen beigebracht hatte. Sabrina ist heute übrigens Inhaberin eines Kosmetikstudios. Glückwünsch.

Ich hatte zu der Zeit zwei coole Freunde, Kai und Tobi (Namen geändert), die bei Miniplaybackshows immer Kerry King und Tom Araya von Slayer waren, mit 12 schon Dosenbier mit sich führten und sich aufführten wie Haftinsassen auf Freigang. Die haben immer am Ende ihrer "Auftritte" immer ihre gitarrendarstellenden Tennisschläger zum Unmut ihrer Gastgeber auf dem Fußboden kaputtgeschlagen, was fast immer zu Rausschmiß und Unbehagen führte. Aber die beiden waren cool. Kai ist heute Anwalt und Tobi hat hat in einer großen IT-Firma so Frickeljobs zu tun, um irgendwas mit Daten zu retten. Ich glaube, Slayer zu sein, war eine gute Vorbereitung auf derlei Gejobbe.

Ich war dann immer Michael Jackson bei diesen Playbackkinderevents und die kleine dicke Liesel wollte immer die kleine dicke Mareike Amado sein und dann stand sie vor mir und laberte mich immer voll, wie alt ich denn sei und was ich für Hobbies hätte und was mein Lieblingsfach in der Schule sei. Liesel war komplett dumm, aber sie machte ihren Amado-Job gut und das Ambiente paßte. Dann interpretierte ich zumeist Bad, Thriller, Smooth Criminal oder in ganz glorreichen Momenten We are the world. Beim Moonwalk allerdings versagte ich fast immer. Das war diese Tanzart, die MJ perfektionierte, diese Tanzart die wie vorwärts laufen aussieht, obwohl man sich rückwärts bewegt. Mysteriös. Ich konnte entweder rückwärts oder vorwärts tanzen. Aber ich drehte ich wie bekloppt und in diesen Augenblicken war ich der König der Popmusik und mein Coolnessgrad nahm zeitweise etwas zu.

Ja, daran mußte ich gerade denken und auch daran, dass ich super gerne mal Sabrina, Kai oder Tobi wiedersehen würde. Ich kann immer noch keinen Moonwalk, naja, hab auch lange nicht mehr geübt.

Michael Jackson allerdings war ein Typ, der kurzzeitig immer in mein kleines unbedeutendes Leben geleuchtet kam und ich weiß noch heute um die Wohltat die das mit sich führte.

Who´s bad?

In diesem Sinne,

Dirk

Mittwoch, Juni 03, 2009


was so auf der Straße liegt, wenn man mal genau hinguckt, ist manchmal aus Plastik


und ich lauf so rum und seh Vibratoren rumliegen und laß die Sonne mein Wetter sein und alles verschwimmt in diesem orangen Licht und ich beginne zu respektieren, was ist ...


... sommertags schreib ich sonnenscheinbeschienen immer hiphops ...


Yo, yo, yo, re, re, respect ...

respect to the man in the icecream van
he..s filling the waffel like sonst keiner can
and I scream "Ice cream, Erdbeer und Banähn"
respect to the man in the icecream van

respect to the man in the Bierbudenhaus
everybody comes in and he can..t raus
he..s also selling C-Wurst and Blumenstrauß
respect to the man in the Bierbudenhaus

respect to the man selling Crack on the street
because dreizehnjährige Hauptschüler get there what they need
and he also has other things to make life complete
respect to the man selling Crack on the street

respect to the Prostituierte in the Nebenstraße
standing doof rum und breathing Autoabgase
she is smelling like ausgeleerte Blase
respect to the Prostituierte in the Nebenstraße

respect to your mother, die vor Aldi breakt
mit den ganzen Kids around her ihren Body shakt
und dressed by KIK, weil sonst nichts geht
respect to your mother, die vor Aldi breakt

respect to the Tussi in the Minirock
walking bauchfrei around the Häuserblock
thinking: I am dump but I fucking rock
respect to the Tussi in the minirock

respect to the Müllmann hinten aufm Trittbrett
wearing orange Bekleidung und being außerordentlich fett
thinking: Wegwerfgesellschaft is voll korrekt
respect to the Müllmann hinten aufm Trittbrett

respect to the policeman, Frauen gucken im Park
making himself eher so nen voll gechillten Tag
not fucking the Kleindealer, weil er heute nicht mag
respect to the policeman, Frauen gucken im Park

respect to the drunk Hartz4 Empfänger
always saying: Ich kann nicht länger
the social system is an unknown stranger
respekt to the drunk Hartz4 Empfänger

respect to the Sommer and vor allem to the Sonne
respect to the Penner making fire in the Tonne
who is free and easy and strahling aus Wonne
respect to the Sommer and vor allem to the Sonne

respect to everybody and vor allem to me
respect to this summer poetry
respect to the respect and to all I can see
respect to everybody and vor allem to me

yo, yo, yo, re, re, respect ...


Punkrockerbauch mit Autogramm in Schönschrift


Blick ausm Hotelfenster


Linzfest und was sonst noch so im Juni geht

Linz ist ja in diesem Jahr europäische Kulturhauptstadt. Kulturhauptstädte haben laut EU das Ziel, die europäische Integration zu fördern. Die den jeweiligen Städten übertragenen Titel, läßt auch immer auf erhöhte Aufmerksamkeit in touristischen Belangen und vermehrte Besucherzahlen hoffen. So zumindest wurde ich auf den Weg geschickt, mit einem Rucksack voller Kulturgut nach Linz zu reisen, um dort Integration zu feiern. Ich muß sagen, von meiner Seite hat das geklappt.

So, bin grad zurück vom Linzfest, wo ich am Pfingstmontag auf nachmittäglich sonnenbeschienener Wiese eine Stunde lesen durfte. War mal schön mit der Donau im Rücken und vollkommen gechillten Österreichern vor der Bühne, besser als die sonstigen Stadionlesungen, die immer so anonym sind, das ich mich selbst kaum noch erkenne. Also Top-Ambiente und trotz fast ausschließlich liegender und hippiesque verkrümmter sitzender Zuschauerschaft kam eine Begeisterungsflut auf, die mich selbst erstaunte. An dieser Stelle nochmal danke an die Verantwortlichen, Organisatoren, Köche und Bierverkäufer auf diesem Fest. Schön wars.

Sonntag Abend habe ich auf diesem Kulturhauptstadtfest in Linz im Dämmerzustand (Tagesbierform plus Dunkelheit) die wunderbare Band Mogwai aus Glasgow sehen dürfen. Mogwai sind fünf Typen, die sich melancholischem Gitarrenrock mit expressionistischen Gewaltausbrüchen verschrieben haben, ohne dabei die melodiöse und schön verstörend klingede Basis zu verlieren. Live sieht das dann so aus, dass man mit Bier und Kippe vor der Bühne steht und die Kippe verglüht und das Bier verschalt, weil das, was man hört einfach fähig ist, gleichzeitig zu heilen und zu zerstören. Ganz seltsames, aber durchweg mitfühlbares Gefühl, welches diese Band live bei mir hinterlassen hat. Dazu passend hat man eine Lichtshow gebastelt, die den innovativen Sound visuell tanzbar machte. Groß. Wirklich groß. Wers nicht kennt und keine Angst vor großen Gesten, die aufs Herz zielen hat, reinhörn.

Tagsdrauf habe ich dann gelesen (zur literaturunkonformen Zeit von zwölfUhrdreißig) und ich habe noch nie auf so einer fetten Festivalbühne lesen dürfen. Wie erwähnt, in meinem Rücken die graue Donau, vor der Bühne overchillte Österreicher, die aber die hingebungsvolle Leseakrobatik angenommen haben wie kleine hilfebedürftige Waisenkinder. Meine Texte fühlten sich gut aufgehoben, angenommen und asyltechnisch einwandfrei behandelt. Man spendete reichlich liegende Ovationen und kaufte meinen Büchertisch radikal leer, besser konnts nicht laufen. Ich signierte Bücher, Bäuche und Brüste und war fasziniert von den Menschen, die außer entspannt zu sein, auch noch klug und witzig waren. Echt mal.

So, desweiteren geht im Juni lesetechnisch auch noch was und zwar an folgenden Orten.

10.06. Düsseldorf Uni
23.06. Mainz Kulturcafé
24.06. Fulda Fegefeuer (mit Andy Strauß)

Ich muß jetzt zusehen, das ich von dieser gechillten österreichischen Art wieder in meinen gewöhnlichen dummdeutschen Alltagstrotteltierherdentrott komme und weiter rave.

So, bis bald mal,

Österreichasylant,

Dirk Bernemann

Dienstag, Mai 26, 2009

(foddo by S. Hünefeld)





Manifestiert in Kunstgebilden

Das Gefühl von dem ich spreche ist wie: Elend verkaufen. Mutters Rente versaufen. Sich selbst monetisieren und dann spät merken, dass man sich verkauft hat und zwar an die mieseste aller Empfindungen.

Da steht ihr alle rum und guckt dem Unfall beim Passieren zu. Verkauft Eure Sensibilität im Internet und auch Eure Revolution verscheuert ihr für Erdnüsse und die Geschwindigkeit des Rausches. Jugendlichkeit kann man anziehen. Meine ewig seltsame Kontroversen erzeugende schmale, schwarze Lederkrawatte ist dafür der absolute Gegenbeweis.

Mein Restleben soll erstrahlen. Die Faust, in der ich meine Ersparnisse halte schlägt auf mich selber ein. Die Befindlichkeitsstörung, die andere Leben nennen, hatte ich schon hinter mir als Helmut Kohl Bundeskanzler wurde. Das war 1982.

Meine Biografie ist unendlich, unbeschreiblich und unbeschreibbar. Manchmal fehlen einige Buchstaben. L.I.E.B.E oder H.A.S.S. oder die anderen, die alle alphabetisch aufgestellt zum Scheiße labern einladen. Die benutze ich für das Ausdrücken von Eindrücken.

My home is where my art is. Und das Haus, das ich baue hat Platz für die ganze tragische Kompromisslosigkeit, die ich bin. Und ich liege entwurzelt im Garten und weiß, wer ich nicht bin.

Das war sowieso immer viel entscheidender als Entscheidungen. Das ganze Anti mit allem Pro weggespült wie kalten Wodka am warmen Baggerseetag, an dem ich schon um viel zu früh viel zu elend rumlag und genau das, was in mir tanzte, war der Grund, es nicht rauszulassen.

Da findet mich wieder wer komisch, asozial, egoaggressiv und was sonst noch für Worte kursieren, die mich als Mangelerscheinung darstellen wollen. Ja, ich bin Euer komischer Asozialer, der im Dreck spielt, der erst randaliert und dann aufräumt, um dann wieder zu randalieren.

Manifestiert in Kunstgebilden und verwurzelt in der Entwurzelung.

Dienstag, Mai 19, 2009


Muß ja


Sonntag, 16 Uhr 02!!! Und dann sagst du, zuhause, das war nicht gut, denn zuhause da warst du schon vor langer Zeit und es ist einfach nicht gut, da gewesen zu sein. Zuhause, so sagst du mir, richtet in dir etwas Ungutes an, etwas von ewiger Abhängigkeit an einen Ort, sowas von ständigem Bemuttertsein und immer wenn du da bist, bist du die Tochter und dies ist nicht deine Küche und ewig fühlst du dich unselbstständig, selbst, wenn du nur einen Löffel aus der Schublade holen willst. Sie, die Mutter, erledigt das dann und du denkst: danke, aber auch: Bitch und sie denkt: muß ja, muß ja, muß ja und dann sagt sie: muß ja, muß ja, muß ja und du fragst dich: Was denn eigentlich und sie guckt dich an und spricht über diesen großen Garten da draußen und du denkst, was ist das für ein scheiß Garten, in dem man mich gefangen nehmen will und sie sagt: muß ja, muß ja, muß ja und du sagst: ja gerne und hälst ihr zitternd deine Kaffeetasse hin und er sitzt daneben und ist ihr Mann und ißt ihren Kuchen und brummelt: muß ja, muß ja, muß ja und du wehrst dich immer noch dagegen. Mit Händen, Füßen und Magengeschwüren. Nichts muß doch, denkt die Freiheit in dir und dann denkst du trotzdem: Danke für das hier alles.

Sonntag, 18 Uhr 30!!! Und dann gibt man sich die Hände und vermisst die Liebe und die bleibt nicht hier an diesen Wänden und die Liebe denkt: muß ja, muß ja, muß ja und du glaubst: Na klar, muß das und du holst den Respekt aus der Tasche und stellst ihn unbemerkt in eine Ecke und dann gehst du langsam leise nach Hause und denkst dir: muß ja, muß ja, muß ja und in dem Moment haben sie dich noch lange nicht und Sozialisation ist ein Wort das fast so aussieht wie Sozialstation und du denkst du bist nicht mehr das, was du warst und bemerkst Prozesse in dir und dann machst du eine Tür auf und eine andere zu und stehst mitten im Raum und der Raum sagt: muß ja, muß ja, muß ja und du willst alles abfackeln, was du nicht bist in diesem Raum und das ist eine ganze Menge, es würde ein großes Feuer werden und das Feuer sagt: muß nicht, viel zu radikal und du denkst: Scheiße.

Sonntag, 20 Uhr 59!!! Der Tatort ist scheiße und der Fernseher sagt: muß ja, muß ja, muß ja und da wird jemand abgeknallt und auch du hast Lust, manchmal alle abzuknallen und dann drehen sie einen Film über dich, viel besser als so einen Tatort, eher so einen Film wie sie jetzt über Jaques Mesrine gedreht haben. Denn du tötest alle konfliktscheuen Landschaftbesteher, einfach so, weil dein Gerechtigkeitssinn sagt: muß ja, muß ja, muß ja und dann schließt du die Augen und bist ein kleines Mädchen und dein Vater sitzt vor dir in der Badewanne und lächelt und du hast etwas in der Hand, was ihm gehört und dann schlägt er dich wieder auf den Arm und dann passierte das, was alle immer für unmenschlich hielten, aber: muß ja, muß ja, muß ja und niemand sollte sich wundern, wenn du mit einem Flammenwerfer plötzlich doch mal irgendwo ...

... schnell die Augen wieder auf und der Tatort ist immer noch mies und wieder einen Sonntag überlebt denkst du und überlegst dir, was du morgen deinem Therapeuten erzählst und dann hast du plötzlich wieder Angst vor dem Schlafen, so wie früher schon mal, als er immer rein kam und sich an Dich schmiegte und du aber nicht unbedingt so und er so: muß ja und du so: ja? und er so: ja! und alles wurde wieder peng.

Sonntag, 23 Uhr 15!!! Eine geladene Waffe ist wie Intelligenz. Du kannst sie verwenden, es aber auch lassen und immer ist die Wirkung kurios. Es hat mit Macht zu tun, denkst du und das du auch welche hast, also Macht und dann versteckst du dich in dir und läßt die Wächter um dich laufen, die dich schon in der Kindheit nicht beschützen konnten, aber sie laufen, weil sie vertraut sind und dann liegst du da und halbschläfst ein ...

Freitag, Mai 08, 2009




Dieser Text kann nicht viel außer er selbst zu sein …

Ich bin reduziert, ich hab mich reduziert auf ein Minimum existenzfähigen Lebens.

Und der Rave ist unser. Wir toben, bewegt von Bässen, die uns wie liebgewonnene Freunde streicheln in der Tumultwelt des Nachtlebens. Das absolut nackte Nachtleben klebt an unseren Fingern, wenn wir andere Tänzer berühren oder ein Glas oder einen Geldschein, aufge- oder entrollt, je nachdem wie wir unsere Hirne duschen. Der Tanz der Arroganz zirkuliert und ich bin …

… voll von bunten Träumen einen Raum betretend in dem pulsierendes Leben leuchtet und schreit, dort wo Leiber ekstatisch ihr Fühlen beginnen und im Trauma enden und sich selber schänden. Und dann bin ich untergetaucht als einer von vielen und vollends unter Einfluss der Musik, die sie spielen und nach all dem Konsum und dem Zeitverrinnen ist was draußen ist draußen und was drinnen ist, drinnen. Und die Zeit vergeht und mein Drama hat begonnen und mit der Masse verwoben bin ich benommen. IchLichtMusik und IchLichtMusik. Und AlleLichtMusik. Und man merkt, dass Gefangenschaft auch was Gutes sein kann.

Ich bin reduziert, ich hab mich reduziert auf ein Minimum existenzfähigen Lebens. Das Gefühl nur aus Schweiß zu bestehen, das Gefühl, wie ein Wald zu riechen, das Gefühl, nur ein Gefühl zu sein. Unbestimmt und trotzdem zu groß für diesen Raum. Mein Ego expandiert. Zu groß für irgendeinen Raum. Kleiner geht nicht, kleiner werden, hieße unsicher unsichtbar wegblenden, also bleibt uns nur die Größe, die ewig wachsende, um sich greifende Größe, mit der wir den Boden der nicht akzeptierten Tatsachen betanzen.

Mein Hirn ist so weich wie mein Herz und alles ist im Einklang. Schlägt um sich. Alles. Viervierteltaktung. Bummbumm. Egoliebe. Bumm. Hier ist die Zeit egal, es zählt die synthetische Fläche, die der DJ in die zuckende Epilepsiestation vor ihm wirft. Und er wirft, nimmer müde, unaufhörlich, immer noch die Nuance dazu, um kurz vor der Ekstase dann vor selbiger zu fliehen und dann kommt der Bruch in die Musik und dann steigert sich alles wieder wie idealer Sex, der endlos sein will. Dies ist die Verbesserung des Idealzustandes.

Bewegung, das Tanzbein und auch das andere und Stille wäre jetzt der Tod, aber Tanz ist Gleichschaltung der Gefühle und Happiness Happens, wenn wir es wollen und wo ein kollektiver Wille, da ein bahnbrechender Beat, der auch als “Die Internationale” interpretiert werden kann. Ein Bumm versteht ein jeder, ein jeder hört es bassverstärkt klopfen, ein jeder bekommt die Magengrube stimuliert. Und das, was darin ist, tanzt, jubiliert und tanzt und alles was ich aß und trank und eingeatmet hab umarmt sich in mir.

Menschen werden kollektiv, das Individuum im zuckenden Blitzgewitter unsichtbar und ohnehin hören ja alle nur den Beat, der die Leute unterdrückt wie ein lächelnder Diktator. Da zappelt sich was durchs Kleinhirn, was mir mein Kritikvermögen auffrisst glaub ich. Aber soll es das essen, das Kritikvermögen, das brauch ich eh nicht. Nicht an diesem Ort. Ich bin reduziert, ich hab mich reduziert auf ein Minimum existenzfähigen Lebens.

Und mit dem nächsten
Zeitloop stehst Du
Plötzlich da
Tanzt durchs
Geäst der wirbelnden Masse
Auffällig wunderbar

Und du lächelst
Die Distanz
Zwischen uns
Kaputt und
Ich sehe Dich nähern
Und auch ich distanziere
Mich von dem Glauben
Das nicht die ganze Nacht aus Anonymität
Zu bestehen scheint

Und Augenblicke später
Sind auch nur Zeit die vergeht
Und verkommt und ich sehe unsere Herzen
Schon synchronisiert schlagend schleudern

Jetzt tanzt Du vor
Meinem Auge
So unglaublich greifbar
Dein Mund so breitgelächelt
Deine Augen geschlossen
Ich abgeschossen und doch lebendig
Nur fühlbar gelebt und bebend
Vor Zeitlupe, in der das alles geschieht
Und dann formst Du Deinen Mund zum Kuss

Und auch ich schließe meine Augen
Bereit diesen einen Kuss zu empfangen
Der Kuss, der die Nacht, den Tag, das Leben
Drehen kann
Und es vergehen Splitter Zeit in denen nichts geschieht
Und im nächsten Augenblick ist das Zimmer wieder laut
Ich öffne die Augen
Und Du bist nicht mehr da

Nur zuckende Blitze und diese Geräusche
Als würden Panzerketten durchs Parkett sich wüten und
Alles wieder laut, wie davor, wie immer, wie gehabt

Und was mache ich Idiot?

Ich tanze weiter …

Ich bin reduziert, ich hab mich reduziert auf ein Minimum existenzfähigen Lebens …

Mittwoch, April 22, 2009


da da is tisch es

Und ich wurde
Djhellhörig
als Du sagtest:
mach ma die Musik Liza, Minelli

durch die roasrote LuxemburgBrille
sah ich, dass Deine Kleidung gut paßt
und zwar zu Deinem schlechten Geschmack
und als Du sagtest: Ich tu nicht den Teufel – der Teufel tut mich
dachte ich, dass das ja wohl mal sein kann

Ich muß mehr tun, Fisch
antwortete ich und es
klausmariabrandauerte mal wieder
ziemlich lange, bis Du wußtest,
was ich meinte

Samstag, April 18, 2009




Liebe Empfänger!!!


Habt Ihr auch manchmal das Gefühl, hier ist alles zu klein und zu wenig? Das Euer Kopf eingentlich viel mehr braucht, als Euch zugemutet wird? Das Ihr viel mehr Gefühl braucht, als es im Allgemeinen erhältlich ist?


Ich fühle mich wie eine Postkarte, die man in einem Moment schreibt, in dem man aufgebracht ist und verhaltensgestört wirkt, weil ein großer Moment passiert. Das komische ist nur: hier war gar kein großer Moment. Nichts ist kaputt, nichts ist neu, vor meinem Fenster nisten keine seltenen Tiere, James Last ist wieder auf Tour und trotzdem hab ich dieses Postkartenfeeling.


Vielleicht bin ich einfach zu affektiv, soll heißen, Kleinigkeiten wie das Atmendürfen von frischer Luft sind schon imstande, mich für mehrere Stunden blöd grinsend auf meinen Balkon zu stellen und da einfach nur zu stehen und zu gucken. Seltsam, ich glaub, is Frühling.


Um zum Frühling gehören ja auch schon mal Frühlingsgedichte, eins ist mir grad aus der Tastatur gefallen und es hat nichts zu tun mit „blauen Bändern“ oder „sprießenden Knospen“, sondern lediglich mit mir. Das ist wenig, aber es reicht.




Ichhierso



ichhierso steh so rum

aufm Balkon

häng Wäsche auf

und Alltag ist

und Frühling auch


nicht viel was man

braucht hat Mehr-

wert, aber alles, was

man braucht ist

manchmal einfach da


Bedürfnisinsuffizienz

ganz gut so, ne, ja, sicher

heute abend: Grillen, Bier und

Fußball im Park


ichhierso steh so rum

die Party ist scheiße

Musikgeschmack ist

die Zunge, die langsam durch

den Aschenbecher der Popkultur

gleitet und ichhierso kann das ertragen


dann kommt Besuch

Kaffeetassen werden gespült

ich schreib an einem Buch

ich gucke durch die Fensterscheibe

Vogelscheiße und -stimmen

gutso statt gehtso



Ja, so viel zu Poesieteil des Newsletters.


Jetzt noch ein Veranstaltungstipp: Ich selber lese diese Woche ein paar meiner alten, neuen und gänzlich unbekannten Sachen vor. Und zwar in Leverkusen (Platz 7 oder 8, der trostlosesten Orte Deutschlands, ich war selbst noch nie dort ...). Dort gibt es ein Literaturfestival mit dem coolen Namen „Levliest“ und da bin ich am 26.04. zu Gast. Orte und Zeiten kann man der Tagespresse entnehmen.


Und nun folgend, noch ein Kochrezept: 1 x Fallafel bitte, nur scharfe Soße, ja Salat komplett, danke...


Bis die Tage,


Ihr


Lieblingsautor


Dirk Bernemann


Montag, März 30, 2009

Ich stehe auf und laufe ein wenig in der Küche umher. Ich stehe in der Mitte diverser Wortketten, die sich wie Weihnachtsbaumlametta um mich gelegt haben, die ich aber nicht greifen kann. Überall hängen Metaphern, mein ganzer Schädel ist eine Art Galerie, die ich zwar betreten kann, aber es macht augenscheinlich keinen Sinn in der Ausstellungshalle meines Großhirns spazieren zu gehen, da all diese Kunstwerke, die an den Schädelwänden hängen, überhaupt keinen Zusammenhang bilden. Sie sind alle individuell, groß und gleichbleibend geltungssüchtig, aber ihnen fehlt der legendäre Klebstoff, das Ejakulative das alles überschwemmt und alle Bilder mitreißt und sie zu einer großen Statue formiert, die strahlender und glänzender ist, alles, was ich bislang schuf.

Ich war mir nie zu schade für meine Kunst auch durch das tiefe Tal der Lächerlichkeit zu gehen, nur um noch 5 Gramm Herzenswut mehr zu spüren ... hier nun meine Demut, meine Hingabe, meine Radikalität und meine Liebe und ich weiß es, denn ich habe es ausprobiert: Mando Diao Mädchen sind nur mittelmäßig im Bett ...

Dies ist ein Theaterstück für eine Person ...

... auf der Stelle tretender, abgemagerter Künstler, zitternd, in seinen Taschen wühlend, unter den dünnen Ärmchen eine Textmappe ...

... der Künstler beginnt durch die Kunst zu sprechen ..., verweigert dabei jedlichen Kontakt zu sich selbst ...


Ich war mal so nett und habe Kunst gemacht


Ich setz die Brille auf, ich setz die Mütze auf, ich mach jetzt Kunst. (Der Künstler kleidet sich in fassadenfrohes HundM-Gedresse, Hut, Brillengestell, Entstellung auf das Uneigentliche ... )

Ich bin ein Ausstellungsstück.
Nicht berühren, nicht anfassen, nicht berühren, nicht anfassen.
Keine Fotos, keine Interviews.
Nichts außer ich. Nur ich.
Sonst nichts.
Ich bin ein Ausstellungsstück.
Ach, was sag ich Ausstellungsstück, ich bin eine ganze Ausstellung, ein gigantisches Museum voll mit epochen- und raumfüllender Kunst.
Ich stell euch die Räume voll, treibe euch in kontroverse Kinos und trickreiche Theater, verführe euch mit konkreten Konzerten, mit allerlei Kunstkonzepten, es ist egal was ich mache, es ist Kunst, es ist egal was ich mache, es ist Kunst.
Ich bin Jazz.
Freejazz.
Ich bin sogar so Freejazz, das ich selber kaum verstehe, wovon ich eigentlich rede.
Mich versteht ja sowieso keiner.
Da laß ich euch schon in meine Denkwelt und ihr weigert euch, so zu denken wie ich.

Ich hab die Brille auf, ich hab die Mütze auf, ich mach jetzt Kunst.

Ich könnte Euch mit der Hand durchs Gesicht fahren, oder nach Hause.
Ich könnte Fehler machen und mich fragen, ob das denn überhaupt Fehler sind, weil ich sie gemacht habe.
Ich könnte sagen, was wirklich wahr ist, Mode interessiert sich nicht für mich.
Ich könnte sagen, Liebe interessiert sich nicht für mich.
Ich könnte sagen, ich bin unkontrollierbar intellektuell.
Ich könnte sagen ich hab was zu tun mit Kunst und so.
Ich könnte sagen ich hab ein brennendes Herz und ein leeres Bankkonto.
Ich könnte sagen, das ist mir alles egal.
Ich könnte sagen, das ich was sagen könnte, was viele sagen könnten, nämlich: Bill Murray ist ein toller Schauspieler, der aber in jedem seiner Filme nur mit 2 Gesichtsausdrücken auskommt, was deswegen gut ist, weil es einfach ist.

Ich habe die Brille auf, ich habe die Mütze auf, ich mach jetzt Kunst.

Ich könnte den Mensch, der ich bin einfach so kaputtmachen und das Kunst nennen.
Ich könnte einen zufälligen Akt sinnloser Gewalt einfach Kunst nennen.
Ich könnte Marienkäfer in der Spätseptembersonne an meiner Fensterscheibe einfach Kunst nennen.
Ich könnte Marienkäfer in der Spätseptembersonne an meiner Fensterscheibe einfach so zerquetschen und das Kunst nennen.
Ich könnte in ein Taschentuch rotzen und es aussehen lassen, wie es klingt und das einfach Kunst nennen.
Ich könnte aufhören, Dinge nennen zu können, die ich Kunst nennen könnte.
Ich könnte diesen letzten Satz einfach Kunst nennen.

Ich habe die Brille auf, ich hab die Mütze auf, ich mach jetzt Kunst.

Dann komm ich hier rein, Kleinkunstirgendwas oder Vernissage und ich komm hier rein und alle gucken, denn ich bin toll, ich bin ein Zirkuspferd und das Lebendige an mir ist die Bewegung. Und allein durch mich beginnt ein Zyklus ansteckender Gesundheit. Und ich sage Sätze in Mikrofone und Mikrofone sagen Sätze in Lautsprecheranlagen und Lautsprecheranlagen sagen Sätze in Universen und diese Sätze könnten lauten: Jemanden nicht zu kennen, ist kein Grund ihn nicht zu hassen. Ich bin ein Ausstellungsstück. Ich bin ein Hochseilautist. Die Nadel im Arm und Gold im Herzen. Die Nadel im Herzhaufen. Ich lasse meine Freundin meine Sachen anziehen, um sie ihr dann vom Leib zu reissen, um das Gefühl zu verstärken, mich selbst zu ficken.

Ich habe die Brille auf, ich hab die Mütze auf, ich mach jetzt Kunst. (der Kunstpatient steckt sich eine Zigarette an, die er lieblos und schnell raucht ... er bläst Rauchschwaden ins Publikum, sein Kopf ist nebelumhüllt und sein Worte brechen erneut sein Schweigen ..., er schreit, tobt, ist außer sich und außerstande zu denken, wirft die Zigarette zu Boden und zermalmt sie auf dem Bühnenholz, wie man es mit unliebsamen Insekten tut, für die man nichts als stolzen Hass empfindet ...)

Ich rauche nie nicht.
Ich denke nie nicht.
Ich bin nie nicht Kunst.
Wort. Tat. Schrift. Bild.
Wort. Tat. Schrift. Bild.
Ich bin nie nicht Kunst.
Ich denke nie nicht.
Ich rauche nie nicht.

Ich habe die Brille auf, ich hab die Mütze auf, ich mach jetzt Kunst. (der Künstler wird leiser, es kehrt eine Ehrlichkeit in seine Stimme zurück, die in dem Momenten zuvor unsichtbar war ..., es sind sich überlagernde Momente, es fühlt sich an, wie nach Hause kommen, die Socken ausziehen und dem Kühlschrank eine Flasche B. zu entnehmen, die man extra für diesen Anlaß dort hineingestellt hat, für das Nachhausekommen ...)

Und ich frag ja nur mal aus reinem Desinteresse: Kennt ihr das Gefühl, wenn einem Engel übers Herz pissen? Das Gefühl, wenn die Sonne nachts scheint. Das Gefühl, jemanden zu lieben, der vor seinen Augen überfahren wird? Und zwar von einem großen, großen Laster. Das Gefühl, jemanden zu lieben, der unerreichbarer als Gott ist? Das Gefühl, das Gott auf einen scheißt? Das Gefühl, in einer Schußlinie zu stehen? Das Gefühl, etwas zu erschaffen, für das sich andere schämen? Das Gefühl, etwas zu erschaffen, für das man sich selber schämt? Das dann wegschmeißen und sich für das Wegschmeißen schämen? Und womit? Mit Recht. Kennt ihr das Gefühl, seine Sensibilitätsgrenzen zu überschreiten, zu zerbrechen und weiterzulaufen? Das Gefühl gestern am Abgrund gestanden zu haben und heute schon einen Schritt weiter zu sein? Das Gefühl haltlosen Fallens, taumelnden Lallens, stupiden Stotterns? Geht ihr erst noch mal Euren Weg durch den Wald der erhobenen Mittelfinger der Ablehung. (der Künstler hebt einen Mittelfinger, vorzugsweise den linken, empor und präsentiert ihn sich und dem Auditorium, halb wahnsinnig beginnt er erneut ein Geschrei, das durch seine Entflammbarkeit die Säulen des Erdballs in Brand setzen könnte ...) Wenn euer Innenleben in Flammen steht, der komplette Apparat am Fackeln ist, können wir ins Gespräch kommen, ob ich euch demnächst vielleicht mal angucken oder grüßen werde.

Ich setz die Brille ab, ich setz die Mütze ab, ich mach jetzt Kunst. (Der Künstler schmeißt seine Fassade von sich und tritt sie auf dem Boden kleinteilig kaputt, brüllt: Yeah, yeah, yeah und wundert sich anschließend über nichts mehr ... er wird leise, demütig fast ...)

Ich setz die Brille ab
ich setz die Mütze ab
ich trau mich,
mich auf mich selbst zu reduzieren
ich setz die Brille ab
ich setz die Mütze ab
ich zieh die Hose aus (aber nicht, um meinen Penis der Weltöffenlichkeit zu präsentieren)
ich mach jetzt Kunst

Abgang Künstler

ausbleibender Applaus

Donnerstag, März 19, 2009

Buchmesse 2009 in Leipzig

Anstrengend wars. 12.03. - 15.03. war ich auf der Buchmesse Leipzig zugegen. Ich möchte allen Leuten, mit denen ich so zu tun hatte danken, dass sie mit mir zu tun hatten, es war ein inspirierendens Wochenende.

Irgendein anderer Jungautorenrecke, den ich jetzt hier nicht namentlich erwähnen mag, hat mich mal angepupst, warum ich denn wohl gerne auf einer Buchmesse lesen würde, das wäre doch lediglich vollgebusinesst und würde doch relativ abstressend sein. Ich aber sagte ihm, dass ich auf der Buchmesse immer noch mal ne Schüppe mehr Enthusiasmus in meine Vorzeigeliteratur lege, da man die Gelegenheit hat, auch Leuten entgegenzulesen, die sonst nie ein Buch von mir anfassen würden. Außerdem mag und schätze ich die Gespräche, die nach so einer Lesung aufkeimen und oft ist sogar Zeit, diese ausführlich zu bestreiten.


Es wurde dann doch irgendwie noch ein gemütlicher Nachmittag auf der Buchmesse, ich sang, ich trank, ich unterhielt mich über Unterschiede innerhalb der Unterschicht. Viele interessierte Leute haben meine Sprache fotografiert.


14.03.2009, 15 Uhr 30, irgendwo lost in Halle 5 mit interessierten Zuhörerinnen und Zuhörern.


Ich hatte vor der Lesung eine Art Tomatensuppe bestellt, deswegen das Kellner.


Dirk Bernemann und drei andere "dirkbernemanns" (Abb.) Das wohl hässlichste Buchcover aller Zeiten. Also fotokünstlerisch toll, aber wie macht man aus Matsche ein Gebilde, das man sich gerne anguckt? Es gibt Momente im Leben, da stimmt einfach alles, außer ich ...

Dienstag, März 03, 2009

Brettern wie die Sau

Was ham wir wirr gebrettert. Theatert. Kunst hergestellt. "Ich hab die Unschuld kotzen sehen" hat unlängst Theaterboden verunreinigt. So soll das sein.

Leipzig. Centraltheater. Spielstätte "Das weiße Haus". 27.02. - 01.03., also grade erst vorbei und immer noch tiefe Furchen der Eindruckgebung hinterlassend.

Für mich als Autor waren es eindrucksvolle Momente, die da dargestellt wurden, denn ich habe mir diese Momente einst als Fiktion ausgedacht, die nunmehr als bewegte Menschen vor meinem Auge tanzten. Teilweise fehlen mir immer noch die Worte für die dargebrachten Emotionen.

Danke nochmals an alle beteiligten Schauspieler, an Dramaturgin Cynthia Friedrichs und natürlich an alle Gäste der drei Abende, die sich auf das Schauspiel eingelassen haben und danach in angeregte Diskussionen verfallen sind. Gut so, wenn Kunst weiter durch Köpfe fliegt, als zum Zeigezeitpunkt.

Nu is wieder gut mit mit Künstlern rumhängen. Ich bin wieder zuhause und schreib grad neuen Scheiß für Leute, die zwischen ihren Ohren Gehirne aufbewahren. Und für mich.

In einigen Tagen werde ich erneut nach Leipzig aufbrechen, um die Buchmesse zu belesen und zu besuchen und um dort mein aktuelles Buch "Ich bin schizophren und es geht mir allen gut" vorzustellen. Folgendes wird sich zutragen:

13.März 2009 in Leipzig im Kunstkombinat Schräglage 4 - Lesung mit Christoph Strasser, Stafan kalbers, Andreas Kurz, Jana Krivanec

14.März 2009 in Leipzig um 15:30 Uhr auf der Buchmesse im Literaturcafe
Halle 5 Stand B300

14.März 2009 in Leipzig im Victor Jara ab 23 Uhr


Danke. Blumenschmeißen. Verbeugen. Zum Klatschen aufstehen und Popel unter den Sitz schmieren. Danke.



Bernemann im März 2009

Montag, Februar 09, 2009



Lesungen


Moin,

wollte nur mal kurz loswerden, dass die Braunschweig Lesung vom 06.02. eine grandiose Sache war. Danke nochmal an die Jungs vom Riptide und vor allem an die harmonieherstellenden Gäste dieses umwerfenden Abends. Ich wäre gerne noch in die Menge gesprungen, vom Tisch runter, aber ich wollte niemandem wehtun.

Auch in anderen Orten wird demnächst gelesen.

13.02. Taunusstein - JZ
14.02. Kaiserslautern - Cafe 23
18.02. Wiesbaden - Schlachthof
12.03. - 15.03. Buchmesse Leipzig
21.03. Bremen - Lonely Planet Boy
10.04. Lindenberg - Hirsch
12.04. Coesfeld - Fabrik (im Rahmen der Gothika-Messe)
26.04. Leverkusen - Pentagon (LevLiest)

Dienstag, Februar 03, 2009


Es gibt Sachen zu kaufen, die sind besser als andere Sachen,
die es zu kaufen gibt.

Das letzte, was ich mir kaufte war eine Flasche Wasser für 0,39 Euro.
Hab aber von Leuten gehört, die kaufen sich Wasserflaschen für 5 Euro und
mehr und meinen: Besonderheit kann man trinken.

Wahrheit: kann man gar nicht.
Nochmal Wahrheit: diese Leute sind dümmer als ihr Getränk.

Offiziell erscheint mein neues Buch
"Ich bin schizophren und es geht mir allen gut"
am 14.02., aber es wird bereits jetzt als E-Book
bei Readbox angeboten.


http://www.readbox.net/book/ich-bin-schizophren-und-es-geht-mir-allen-gut


Freude über Freude über Freude.

Schluck Wasser und Leben!!!



Donnerstag, Januar 15, 2009


Kotzen im Theater

Das „Weiße Haus", eine Spielstätte des Centraltheater Leipzig präsentiert vom 27.02. - 01.03. 2009 eine dreiteilige szenische Lesung meines Buches „Ich hab die Unschuld kotzen sehen.“. Schauspieler lesen und inszenieren im Wohnzimmerambiente dieser Spielstätte Bernemann-Texte und bieten so dem Besucher die pure, konfrontative Gedankenwelt des Autors an. Also es geht um meinen Kopf in den Leibern fremder Menschen.

Die Enge der Räumlichkeiten läßt leider nur eine begrenzte Zuschauerzahl zu, es ist also ratsam, sich für diese absolut exklusiven Veranstaltungen im Vorfeld Karten zu sichern.

Karten gibt es jeweils für 6 Euro unter: 0341 - 12 68 168

Gezeigt werden meine Lieblingsgeschichten aus meinen beiden ersten Büchern, radikal und poetisch in Szene gesetzt von proffessionellen Darstellern. So ein Theaterkörper muß was können, hab ich mir gedacht.

Am 01.03. gibt es nach dem dritten Teil der Aufführung noch eine exklusive Lesung von mir, bei der ich mein neues Buch „Ich bin schizophren und es geht mir allen gut“ vorstelle.

Weil generell immer Blut fließt, wird auch hier Blut fließen ...

Ich bin sehr, sehr froh über das Zustandegekommensein dieser Aufführungsmöglichkeit. Der Rahmen ist klein, die Gefühle dafür umso größer.

Miese Zeiten, geile Kunst

Bernemann

Mittwoch, Januar 07, 2009

Liebe Leser, Bücherregalbesitzer, Bestsellerbesteller und zufällig mal vorbei Geratene,

das erste, was ich 2009 gemacht habe ist: alles kaputt!!!

Ich habe diesen Blog zerstört, weil ich gemerkt habe, dass sich da Texte eingeschlichen haben, die

1. zu persönlich für fremde Arschnasen
2. zu mies an und für sich
3. zu zu

und

4. in meinem neuen Buch in besser stehen.

Also, nothing for anti-good, ab jetzt nur noch unpersönlichen, offenen Qualitätskram, der nie gedruckt werden wird.

Frieden, vor allem hier,


Dirk Bernemann