
Ich bin nur schön, wenn ich glücklich bin
Und wenn man sie fragt, was sie so macht, dann sagt sie: "Luftschloßarchitektur studieren." Und sie hopst auf und ab, wie ein Kind vor der Eisdiele, obwohl ihr Ausweisbild sie überzeugen will, dass diese Zeit vorbei ist. Endgültig. "Ja, ich studiere Luftschloßarchitektur und ich liebe es." Die Überzeugung, mit der sie diese Worte spricht, kann einem schon mal Angst machen. Die Realität ist eine Rampe, von der aus sie ihre geistreichen Raketen abschießt, mit denen sie sich locker macht. Locker und überlebensfähig.
Es ist so, dass die sie umgebende Welt ihr Angst macht und zwar solche Angst, dass sie die Welt gegen eine Vorstellung von einer anderen Welt ausgetauscht hat und jetzt steht sie neben mir und sagt: "Es gibt nichts Leichteres, als zu leben" und ich muß fast heulen, ob der Einfachheit ihrer Gedanken, aber die verdammten Tränen bleiben im Kopf und schwängern meine ohnehin schon wackeligen Gedanken mit sich.
Wir gehen über den Weihnachtsmarkt. Wir stellen fest, dass das traurigste Lied aller Zeiten eine von einem 4köpfigen Seniorenblasorchester gespielte Version von "O, Du fröhliche" ist. Es ist kalt und wir halten uns an den Händen. "Mach dir dein Leben schön, denn du hast ein schönes Leben verdient", sagt sie dann noch, als wir vor einem Juwelierladen stehen und sie sich glitzernde Ohrringe anguckt und ihre schöne Nase an der fettigen Scheibe reibt. Ihre Nase ist, obwohl zweifach von irgendeinem Exfreund gebrochen, wirklich schön. Es ist eine einzigartige Nase und sie, ja sie ist wieder auf der Flucht in ein Traumland. Man sieht es an ihren Blicken, die sie um sich streut, diese Blicke aus rosa Zuckerwatte, die sie immer schon hatte, auch jetzt, wo sie so schlimm krank ist.
"Komm wir essen was", zieht sie mich bewollmützt zu sich in ihre dürren Arme und ich kann nichts essen, weil ich an ihren Satz denken muß: "Mach dir dein Leben schön, denn du hast ein schönes Leben verdient." Sie kauft sich Crépes und Popcorn und Fanta und hält das alles fest und sie weist den Hunger von jemandem auf, der nur einmal wöchentlich, und zwar jetzt, isst. Anschließend ist ihr ein wenig schlecht und ihr Körper weiß einen Moment lang nicht, was er mit dem ganzen Essen anfangen soll und beginnt ein wenig zu rebellieren und wir setzen uns auf den Bürgersteig. "Es ist so wie früher", sagt sie mit einer leicht fremdartigen in Melancholie getauchten Stimme, "da saß ich hier rum, genau auf diesem Bürgersteig und war ein zerrissener Punk und hab die Passanten angepöbelt." "Ja, verdammt", ergänze ich, "und ich saß daneben und hatte die Ausstrahlung eines Abgrundes." Wir lachen und sie sagt: "Mir ist kalt" und ich kann nur sagen: "Ok, lass uns zurückgehen."
Sie tanzt über den Weihnachtsmarkt, zerbrechlich, zu schwach zum Durchstarten und von überall her kommen Geräusche wie Friteusenzischen, Kindergeplärr und todtraurige Weihnachtsmusik und es ist dunkel geworden und die angehende Luftschloßarchitektin wirkt nach diesen Stunden etwas betrunken, obwohl kein Alkohol im Spiel war und dann fragt sie mich: "Findest du mich eigentlich schön?" Sie nimmt ihre Wollmütze ab und ihr kahler Kopf kommt zum Vorschein. Tränen zucken. "Ja", sage ich und meine es endlos ernst. "Ich werde sterben", sagt sie noch sehr leise, und es klingt wie eine Lüge, die sie selbst nicht glaubt, "wahrscheinlich noch vor Weihnachten. Aber gut, dass du sagst, dass ich für dich schön bin. Denn ich bin nur schön, wenn ich glücklich bin." In einer Geschwindigkeit, die wirkt wie die Zeitlupe einer Zeitlupe, drehen wir uns um und laufen bewußt dekadente Schritte in eine willkürliche Richtung.
Vor zwei Wochen hat ihr ein junger Arzt gesagt, dass es vielleicht noch 2 Monate sein können, oder aber auch ein halbes Jahr. Und sie steht am Abgrund, die Füße sprungbereit beturnschuht und hat noch Zeit für alle Ausstrahlung von lebenslänglich gespeicherter Freundlichkeit.
Ich hoffe nur, dass sie noch ihre Diplomarbeit in Luftschloßarchitektur schreiben kann ...
Dienstag, Dezember 08, 2009
um 01:13 geschrieben irgendwann überirdisch Dirk Bernemann
Dienstag, November 24, 2009

stop staring at me, you mentally handicaped dogs, go home, go home ...
Schranz
Ach komm spiel unser Lied
für uns abgestürzte Halbexistenzen
lass uns noch einmal tanzen
bevor die Lichter angehen
und wir raus in den Regen müssen
nach dorthin
wo
wir
gemein
hin
immer
gehen
wenn
alles
vorbei
ist
und auch, wenn du mir Glück wünscht, klingt das so seltsam traurig krank, denn du sagst in einer Art, wie es mein Dealer zu tun pflegen: "Tolstoi toi toi ..."
aber jetzt, da die Liebe nachts leuchtet
solltest du eine Sonnenbrille tragen
damit man deine verdrogten Augen
nicht sieht, damit alles klar geht,
wenn sie dich kontrollieren kommen
und
du
sagst
doch
immer
nur
die
gleichen
Sätze
wie
damals
z. B.
"Lass uns die Nacht im Feuer sterben lassen"
Idiot!
Und dieses Tummeln in menschenleeren Beziehungen macht dich ganz müde und wenn du manchmal so wach bist, wie du nie mehr sein wolltest, fühlst du dich wie ein Zahnarztbohrer, der gerade einen freigelegten Nerv zersetzt und das Geräusch, das daraus hervorgeht, ist der Soundtrack deiner inneren Stille.
Vor einigen Wochen war ich tanzen, mit richtigen Leuten, Leuten, die was vom Leben verstehen, die in ihren Jobs abhängen und danach Freizeit zu zelebrieren wissen, die sich beim Sport kennenlernen und dort an Limits gehen und auch geistige Limits zu schätzen wissen und dann ausweichen, so sehr ausweichen, wie jemand, der Angst vor Verletzungen hat. Und sie haben kleine Depressionen, zumindest nennen sie es so, aber sie haben ja Zähne, weil sie krankenversichert sind und die beißen sie zusammen und dann geht es und der Job bleibt wie er ist, nämlich ungerecht, dumm und vor allem täglich neu aggressiv und wenn einer am Abend in die Wanne steigt und das Leben von seinem Körper wächst oder wichst, dann ist es Zeit.
"Jeder bekommt die Revolution, die er verdient!" Du schreist mich an. Immer schreist du mich an. Und du fühlst dich so kritisch in den Dingen, die dir Beschäftigung mit sich abverlangen. Diese Dinge machen dich sinnvoll und vor allem: sie bestätigen, dass es dich gibt. Die ganze globale Scheiße, zusammengefasst in einem Schranztrack, das willst du mir um die Ohren ballern und ich sehe deine Traurigkeit in deinem Augenaufschlag und dieser Text bittet nicht um Verständnis, sondern ...
... ach, nichts ...
um 15:06 geschrieben irgendwann überirdisch Dirk Bernemann
Mittwoch, November 11, 2009
Und dann bemerke ich plötzlich, dass ich glücklich bin ...
"Eigentlich", sagt irgendwer zu seinem Therapeuten, "eigentlich weiß ich gar nicht, wie sich Glück anfühlt. Eine gewisse Spannung, leichte sexuelle Erregung, sowas halt, das spür ich noch, aber Glück hat sich seit Jahren nicht mehr eingestellt. Verstehen sie, dass man da verzweifeln kann?" Der Mann gegenüber, der zwischen zwei Yucca-Palmen sitzt und wirkt wie ein dichtgekiffter Buddha in der Einschlafphase, kratzt sich am Bauch und sagt dann: "Sie können nichts erzwingen, aber wenn es an ihre Tür klopft und Einlass begehrt, sollten sie es auch reinlassen. Bis nächste Woche dann ..."
November ists und dunkel ohnehin. So großartig dunkel, so sonnenverweigernd unhell, so höllisch düster. Und Sätze wollen mir durch die Tastatur entgleisen, Sätze die klingen wie: Ich schleppe tränengroße Traurigkeiten durch die Melancholie meines orientierungslosen Daseins. Oder: Als das letzte Blatt vom Baum geweht ward, das war der Augenblick, als die echte Dunkelheit zu mir ins Zimmer tanzen konnte. Ich koche Tee und niemand berührt meinen Arm. Olafur Arnalds spielt in meiner Küche Klavier. Dann bemerke ich plötzlich, dass ich glücklich bin.
Tausend kleine Krankheiten versuchen seit Urzeiten mir in die Suppe des Bewußtseins zu spucken, diese zu trüben. Weil ich ein schneller Esser bin, muß ich nach dem Ernährungsvorgang immer kotzen, was nicht das Geheimnis meiner guten Figur, sondern einfach nur scheiße ungesund ist. Zur Melodie meines Tinitus sehe ich in einem amerikanischen Spielfilm eine Teenietussi tanzen. Tinitus und Teenietussi passen gut zusammen, ergänzen einander wie arrangiert. Ich verstehe diesen Film nicht, verstehe so manches nicht, aber Verständnis ist manchmal wie Toleranz: Überdosis ist gefährlich. Dann bemerke ich plötzlich, dass ich glücklich bin.
Voller Angst eigentlich. Alles voller Angst, in jedem Raum und ganz schlimm ist es Nachts und jetzt nimmst du Tabletten, um nicht wie deine Mutter zu enden, die vor lauter Angst nicht mehr aus dem Haus gehen kann, weil sie Angst vor dem Wetter und vor allem vor den anderen Leuten und deren Ansprüchen hat und du, mein Freund, der da auf meiner Couch verwelkt, du nimmst jetzt idiotische Tabletten, von denen du dir erhoffst, sie mögen dich erlösen. Desweiteren willst du von diesen kleinen Soldaten an der Front der Humanmedizin, dass sie dich für die geistige Schönheit von Frauen entflammen können und nicht nur für deren Körperlichkeit. Du sehnst dich nach Liebe und ich sitz daneben und dann bemerke ich plötzlich, dass ich glücklich bin.
Das unförmige Mädchen hinter der Ladentheke versucht ein Lächeln, was aber nicht dauerhaft klappt, denn ihre Gesichtsmuskeln sind auf böse trainiert. Sie ist im ersten Ausbildungsjahr und man bemerkt ihre Unlust auf Freundlichkeit den Kunden gegenüber, sie will viel lieber "Fuck you, bitch" oder "Ers gutes Brot" sagen, anstatt "Fünf Euro siebzig, schönen Tag noch" und auch, dass sie ihr Augenbrauenpiercing aufgrund irgendwelcher Hygienebestimmungen, die sie nicht versteht, zu Hause lassen mußte, regt sie unglaublich auf. Und das alles für einen Job hinter einer Brotheke. Ich habe sie beim Nusseckenkaufen erstmals gesehen, vor einem halben Jahr etwa und auf ihrem Namenschild steht unter "es bedient sie freundlich" Cassandra. Ich vergleiche mein Glück mit ihrem und dann bemerke ich am Stehtisch kaffeeschlürfend, dass ich ein Arschloch bin. Und dann bemerke ich plötzlich, dass ich glücklich bin.
Letztens hat ein anderer Freund von mir in einem stillen Moment bei einem ganz leisen Bier offenbart, dass er Angst vor der Sängerin Pink hat, weil sie ihn an diesen Jungen erinnert, der ihn früher auf dem Schulhof immer bedroht hat und manchmal hat er sein Gesicht in eine Pfütze gehalten und er dachte dann immer: "Das sind also meine letzten Minuten auf dieser Welt, das Gesicht in einer Regenpfütze über mir ein Arschloch und der Größe meiner Gedanken war sich nie jemand bewußt." Er war damals neun Jahre alt und ich habe sie verstehen können, seine Angst, denn ich glaube, jeder von uns kennt einen Jungen wie Pink, der ihm Pausenbrote, Mädchen oder coole Radiergummis abspenstig machen wollte. Der Abend war die ganze Zeit sehr leise und du hast noch über andere fulminante Ängste gesprochen, z. B. über den Verlust deines Handys und dem einhergehenden Abhandenkommen deiner sozialen Identität oder dem zufälligen Beiwohnen eines Selbstmordattentats."Die Wahrscheinlichkeiten steigen", sagte er dann und hielt das für einen klugen Satz und dann bemerkte ich plötzlich, dass ich glücklich bin.
Was denn aus mir geworden ist, guckt mich eine an, die ab und an mal herkommt, meine Kaffeetassensammlung anguckt und mit mir Apfelschorle trinkt. "Was soll denn aus mir geworden sein?", frag ich. "Du hast dich verändert, alles irgendwie, Klamotten, Frisur, nix is mehr so wie da, wo wir uns kennenlernten." "Und?", frag ich. "Das heißt erst mal noch nix", palavert sie, "wir müssen uns nur im Auge haben, ob wir auch noch als Freunde funktionieren." Ich sehe aus dem Fenster und trübes Grau gafft mich an und wir sind wieder schwankende Boote im Hafen des Schweigens. Und dann bemerke ich plötzlich, dass ich glücklich bin.
"Mit vielen LED-Lampen-großen Gefühlen ist dieser Mann nicht ausgestattet,aber mit einem Flutlichtgefühl, das sich wie das Einlaufen in ein großes, ausverkauftes Stadion anfühlt." Das sagst du über deinen neuen Freund und ich habe ein gutes Gefühl dabei, mit dir im Wald zu stehen, mitten im Winter und wir werfen uns ein geistigbehindertes Rehkitz zu, dass von seiner Mutter verlassen wurde und das ohnehin sterben wird, aber so kann es sich einmal vorstellen wie sich fliegen anfühlt ...
Ich bin zuhause. Das Telefon klingelt. Und dann bemerke ich plötzlich, dass ich glücklich bin ...
um 15:27 geschrieben irgendwann überirdisch Dirk Bernemann
Freitag, Oktober 30, 2009

Foto: Rebecca Meyendriesch
// Mi | 11.11. | 20 Uhr | LitCarl | VVK Zeche Carl: 6 EUR | AK: 9 EUR //
LitCARL - die neue LiteraturSHOW in der Zeche Carl in Essen: modern, subversiv und anmutig! Und ich bin der Typ am Mikrofon, der wie in der NDR Talkshow schlecht vorbereitet Fragen stellt und werde Gespräche mit wechselnden Autoren und Größen der Literatur- und Slam Poetry-Szene moderieren.
Schwerpunktmäßig soll moderne Literatur aus dem deutschsprachigen Untergrund, aber auch Abstraktes und Artverwandtes, thematisiert werden. Jetzt zum ersten Mal am 11. November! Ab dann regelmäßig alle 8 Wochen!
Zu Gast zum Auftakt:
Oliver Flesch (Rockliterat und Autor der Biographie über Gunther Gabriel/Berlin)
und
Sven André Dreyer (Lyriker/Düsseldorf)
um 22:09 geschrieben irgendwann überirdisch Dirk Bernemann
Dienstag, Oktober 06, 2009
Liebe Überlebende,
bitte behalten Sie Platz, es wird Ihnen nichts passieren, wenn sie weiterhin ihren Arsch auf diesem Stuhl verweilen lassen und mich kurz von einer Aneck-Dote erzählen zu lassen.
„Ich schieß ihnen in die Kniescheibe“, brüllte mich kürzlich ein unfreundlicher Herr an, mit dem ich eine kleine halbe Stunde über das Ergebnis der Bundestagswahl und dem Verbleib der Bundeswehr in Afghanistan geredet hatte. Dies trug sich auf einer Party zu, auf die ich gar nicht eingeladen war und kurz darauf sagte ein anderer, freundlicherer Mensch, mit dem ich unterwegs war, zwischen zwei Apfelkorncocktails „Im Großen und Ganzen geht es darum, dass alles Scheiße ist, es aber nicht so sein müsste, wenn wir aufhören würden, nur unseren eigenen Arsch zu betrachen.“ Wir schauten einander unsere Ärsche an und bemerkten, dass wir Recht hatten.
Und manchmal geht man nach Hause und denkt sich, wofür ist das eigentlich gut, dieses Bewußtsein, das einen manchmal mit Unhöflichkeit den Weg verstellt, die Welt verpestet, wäre es da nicht einfacher, sich hinzusetzen, alles, was laut gesprochen wird zu glauben und sich ansonsten die Nervenbahnen zuzukleben, auf das die nichts zum Weiterleiten haben? Allein darüber nachzudenken macht zerbrechlich, aber, die die so leben, die sollten mal wieder wirklich Liebe machen, mit sich oder anderen.
So, herzlich willkommen zum neuen Newsletter aus dem Literaturhaus Dirk Bernemann, die Geschwindigkeit der Informationen wurde ihrem Lesetempo angepaßt. Es passiert: eine Menge.
1.
Durch die wundervolle Zusammenarbeit mit dem Luxemburger Künstler Marc
Pierrard (http://www.marcpierrard.com), die in der Ausstellung „La
politesse du désespoir“ (Die Höflichkeit der Verzweiflung) gipfelt, wird
gezeigt, was es bedeutet, einander den Arsch anzugucken. Aber nicht nur
das, Marc Pierrard zeigt dem Kunstinteressierten allerlei Dinge zwischen
Höflichkeit und Verzweiflung und versucht dadurch auszuloten, was so alles
zwischen der Verzweiflung ein Mensch in dieser Welt zu sein und der
Höflichkeit des Versuchs, nicht Bestandteil der Killermaschinerie zu werden
passieren kann. Ein kleiner Teil der Ausstellung beruht auf Auszügen aus
meinen Hörbüchern (Ich hab die Unschuld kotzen sehen 1 + 2). Die
Ausstellung beginnt am Mittwoch, den 21.Oktober, wo ich zur Eröffnung auch
lesen werde.
So, desweiteren gibt es ab Oktober die dritte „Auskopplung“ aus meinem Ebook „Ich hab die Unschuld kotzen sehen, Teil 3“ unter folgenden Links erwerbbar:
http://www.dirkbernemann.de/bucher.htm
3.
Im Oktober werde ich mich außerdem auf der Buchmesse in Frankfurt und im hessischen Umland aufhalten. Hier die Daten der folgenden Lesungen:
16.Oktober 2009 in Hanau im AKZ Metzgerstraße
17.Oktober 2009 in Frankfurt im Cave
18.Oktober 2009 auf der Frankfurter Buchmesse (15:45 - 16:15 Uhr) Bitte vor Ort Leseprogramm beachten
21.Oktober 2009 in Luxemburg-Stadt (Luxemburg) im Konschthaus beim Engel
22.Oktober 2009 in Esch-s-Alzette (Luxemburg) im Infoladen Schreibs in der Kulturfabrik
23.Oktober 2009 in Wiltz (Luxemburg) im Präbelli
03.November 2009 in Hannover im Theater im Küchengarten (TAK)
4.
„Ich habe dieses Buch gelesen und ich muß sagen, dass es schlecht ist“, so sagte ja häufig mal der Literaturgeschmacksdiktator Marcel Reich Ranicki. Dieser Satz und die dazugehörige Fernsehsendung haben mich dazu inspiriert, eine eigene Literaturshow zu inszenieren, in der auch die Benutzung und Gutfindung höchst moderner und trotzdem anspruchsvoller Literatur vorkommt. Die Veranstaltung heißt „LitCarl“ und findet in Essen statt und zwar in der dortigen Zeche Carl (www.zechecarl.de). Ab dem 11. November wird es alle zwei Monate am jeweils ersten Donnerstag dort diese Show live auf der Bühne geben, zu der ich mir jeweils 2 relevante Autoren der Neuzeit einlade, sie interviewe und ihnen dann Gelegenheit gebe, ihre Bücher vorzustellen. Im November freue ich mich sehr auf:
Sven André Dreyer aus Düsseldorf und
Oliver Flesch aus Berlin (www.myspace.com/blog-n-roll)
Ich hoffe auf große Abende voller Leidenschaft und Begeisterung.
So, dann, ich freue mich der Dinge, die da auf uns zurasen,
Ihr Lieblingsautor,
Dirk Bernemann
um 20:14 geschrieben irgendwann überirdisch Dirk Bernemann
Donnerstag, September 17, 2009

Foddo by R. Meyendriesch
Pandasex im September
Es war einer dieser etwas zu sentimentalen Septembernächte, an denen man am Samstag Abend beim Bierkaufen ganz überrascht über die Präsenz von Dominosteinen in den Supermarktregalen war. Die Dinger sind das Synonym der Tatsache, dass jedes Jahr an Geschwindigkeit zulegt, dass die Zeit, die einem zur Verfügung steht eine rückwärtslaufende Uhr ist und überhaupt total unentschlossen, weil sie immer nur läuft, aber niemals irgendwo ankommt. Und wir haben September und ich frag mich, ob es dieses Jahr überhaupt Dezember wird.
Anschließend habe ich mit dem Bier in meiner Küche gewartet, um auf dich zu warten. Bier ist ein guter Freund, wenn es gilt, Wartezeiten zu überbrücken. Warten, bis der Auftritt beginnt, warten, bis man beim Zahnarzt aufgerufen wird, warten, bis das Warten endet, um auf das nächste Warten zu warten. Irgendwann bist du da und wir reden bedeutsame Sachen über unsere Leben, in denen wir manchmal so ungern zu Hause sind, die uns an manchen Tagen nicht die Wärme geben, die wir brauchen, um uns voll und ganz und konkret und die ganze andere Soziologenscheiße zu fühlen. Du bist ein wundersames Mädchen, aber genau deswegen mag ich dich.
Wir entscheiden uns tanzen zu gehen. Ab einem gewissen Punkt an einem solchen Abend müssen immer so Entscheidungen her wie Chips oder Salzstangen, Whiskey oder Wodka, Taxi oder Fahrrad und wir essen Chips, trinken Wodka und rufen uns ein Taxi. Wir fühlen uns wohl in unseren Paraderollen der emotionalen Verwahrlosung, die wir vor Jahren angenommen haben und jetzt nicht mehr loswerden und ich mag wie dein Haar riecht. Irgendwas zwischen Mandarinenschalen und Benzin.
Und du stehst neben mir und fragst mich, ob es da wohl einen Zusammenhang gäbe zwischen dem Gefühl sich verlorener als alle Sachen zusammen in den Fundbüros dieser Welt zu fühlen und der Tatsache, dass du nicht mehr mitzählen kannst, mit wie vielen Männern du schon deine Dusche geteilt hast. Ich weiß auch nicht sofort eine Antwort darauf, stehe neben dir und trinke irgendwas, was meinen Hals von innen aufwärmt und mit Alkohol zu tun hat. "Ja", sage ich dann, es gäbe einen Zusammenhang, aber der sei nicht wichtig, solange man sein Herz schlagen fühle. Die Typen hier denken immer, ich sei mit dir hier, aber eigentlich bist nur du selbst mit dir hier und ich steh nur mit dir rum und bin ausschließlich mit mir hier, obwohl wir hier zusammenstehen und dann spielen sie dein Lied.
Es hat etwas mit Beckenbeat zu tun und ich muß lachen, als du tanzt wie du fickst, obwohl ich das noch nie gesehen habe und die hormonell aufgeladenen Treckerfahrer um dich einen Halbkreis der Geilheit klatschen und von dir berührt werden mögen. Sie stolpern von einem Loch der peinlichen Sexualisierung ins nächste. Ich drehe mich um und bestelle Wodka, das muß erst mal genügen.
Du kommst zurück vom Dancefloor des Grauens und du sagst, das der da, der Typ da, das der da, ne nicht der da, sondern, ja genau der da mit diesem engen schwarzen Hemd und den halblangen braunen Haaren, das der genau dein Typ wäre und ich muß lachen, weil der aussieht wie ein BWL Student mit übersteigertem Geltungsdrang und wir bestellen einen Wein und dann sagst du, ich soll mich mal wegsetzen, aber in der Nähe bleiben, weil du allein rumhängen und trinken willst und warten bis der Typ dich vielleicht sieht und anspricht und ich finde die Idee super, weil ich dich mag und setze mich ans andere Ende der Bar. Dort starre ich in die Leere des gefüllten Clubs und es ist halb drei und in der Luft schweben durchsichtige Partikel aus Sex und Mitleid und der Leere, die man mit Rausch füllt.
Auch ich trinke mich sanft in eine entspannte Geisteshaltung. Ich versuche mich hier im Club wohlzufühlen und wenn du den Club bezwingen willst, mußt du selbst zum Club werden, hat mein zerstörter Freund Henry mal gesagt und ich versuche, wie eine Disco mit Lächerlich- und Stillosigkeit zu denken, was leider nur bedingt funktioniert. Was dann aber so nach und nach klappt ist das plötzliche Gutfinden von mittelmäßiger Musik, die ich eigentlich verachte. Wippende Füße, aber nicht auf dem Dancefloor, nein, getanzt wird nur in endloser Zurückhaltung, an die Bar gelehnt und in abwartender Position.
Ich unterhalte mich gutgelaunt mit einem Mädchen, das plötzlich überdreht poetisch wird und mit mir "den Himmel auf nicht vorhandenem festen Boden betanzen" will. Da ich nicht weiß, ob ich das will sag ich erst mal: "MGMT ist uncharmante Halbwahrheit in Retrowellenform ..." und sie nickt und dreht sich um und sagt irgendwas mit Toilette, auf die ich dir folgen solle, aber ich müsse doch gar nicht, sag ich und sie ist zu jung, das Ausmaß ihrer Handlung wirklich zu begreifen. Das was meine Mutter"Tabu" nennen würde, ist für sie ein Spiel mit der Möglichkeit explosionsartiger Gefühle im Zwischenraum ohne emotionalen Widerhall. Sie sagt nochmal, dass wenn ich pissen müsse, sie total gerne anwesend wäre, aber ich lehne schwankend ab.
Es scheint funktioniert zu haben. Der Typ ist bei dir, lächelt schrill wie in einem Werbespot für Bier, in dem nicht der Schweiger Til die Hauptrolle spielt, und spendiert eine Runde Gutfinderomantik. Ich bleibe in meiner Ecke und sehe euch zu, wie ihr euch zu einem Kommunikationselement verformt. Es sieht lebendig aus, aber auch ein deutscher Soldat mit Bauchschuß in Afghanistan sieht fünf Sekunden nach Eintreffen der Kugel in seine Organe noch sehr lebendig aus, später dann erst, bei ausbleibender Behandlung, nicht mehr.
Ich trinke Bier und dann steht eine andere da, gut angezogen und mit intelligenten Worten und Tierbeispielen versucht sie meine Wall of Coolness zu zerbomben und sagt so Sachen wie: "Weißt du, dass Pandabären nur zweimal im Jahr Sex haben?" Das wußte ich nicht, finde es aber lustig und stell mir mein Leben als Pandabär vor, der jedes Jahr die Statistik seiner Kollegen kaputtfickt. Dabei kaue ich Bambus und sehe verhältnismäßig cool aus. "Außerdem haben Kakalaken nur einmal im Leben Sex", ergänzt sie in ihrer therapeutischen Tiergutfindeart, "die rennen dann so rum und gebären ihr ganzes Leben Kolonien mit bis zu 10.000 Tieren." Ich sehe dich über ihre Schulter hinweg mit ihm knutschen. Er macht auf Romantik, fasst dein Gesicht an, als wäre es eine zerbrechliche Porzellanvase, während du ein Cocktailglas und eine Zigarette festhälst und etwas desinteressiert zurückknutscht.
Ich bin total betrunken, es ist leer geworden und ich finde mich wieder mit ausgebreiteten Armen "Wonderwall" von Oasis singend, obwohl der genervt guckende DJ irgendwas von Helmet spielt. Guter Abend, denke ich und du sitzt allein auf dem Barhocker, der Typ ist weg und ich gehe zu dir und du bist fast so betrunken wie ich und sagst: " Der Typ war ein Arsch, der wollte nur knutschen, außerdem studiert der tatsächlich BWL ..." Ich muß lachen und dann küssen wir uns auf den Mund, ganz kurz nur und ein Gewitter aus Hardcoregeballer und fünfstimmigen Besoffenheitsgebrüll plätschert hinter uns runter.
Du sagst mir noch, dass Monogamie für dich nicht in Frage käme, nicht solange sich das Klatschen auf deinem Arsch gut anhört und ich ahne, was du meinst. Du ergänzt: "Und der, der klatscht, der soll für die Dauer des Klatschens meine Welt aus den Angeln heben können." Du siehst ein bißchen traurig aus und die Betrunkenheit steht dir gut und da du eine Frau mit Verstand bist, unterhalten wir uns noch zwei Stunden über Fußball und saufen der Bar dabei die Flaschen aus dem Regal.
Als wir im Taxi sitzen, schläfst du innerhalb von 3 Sekunden ein und wir fahren erst zu dir und ich lege dich in dein Bett und dann fahre ich zu mir und lege mich in meins und nebenan ficken meine Nachbarn, die auch aussehen wie Pandabären. Sie schreit seinen Namen und er ist still wie eine Waldlichtung am Sonntagmorgen und macht dann doch ein Brunftschrei meets Autounfall-Geräusch und dann ist alles still. Wenn die Statistik stimmt, dürfen die beiden dieses Jahr keinen Sex mehr haben.
um 16:37 geschrieben irgendwann überirdisch Dirk Bernemann
Dienstag, September 08, 2009

Verehrtes Lesepublikum, konkrete Bildungselite und unterdrücktes Präkariat,
es entstand so nebenbei, wie „All you need is Love“ von dieser britischen Drogengutfindeband The Beatles und nun steht es hier im Raum und will Monumentalgewalt sein. Lassen wir es rein und begrüßen mit dem Geräusch, welches Nashörnerinnen beim Vaginalorgasmus machen:
Ich hab die Unschuld kotzen sehen, Teil 3
Zunächst gibt es dieses Buch für alle elektronische Medienlesegeräte. (Ebook-Reader)
Hier zunächst mein Vorwort, welches auch die Vorgehensweise und die Gründe dieses Vorhabens in gut verständlicher Sprache in die Gesichter der Ankömmlinge zu drücken gedenkt ...
Und wie haben sie gebruellt und mich bekniet. Da unten lagen sie im Staub, aus dem sie alle gewachsen sind und zu dem sie alle bald wieder werden werden und haben gebettelt, geweint und gefleht. Sie wollten mich in ihre Betten zerren, um an mir skurrile Sexualpraktiken auszutesten. Sie haben mich mit Lob und Anerkennung fast in einen literarischen Populisten verwandelt. Das wollte ich nie werden. „Bitte“, so schallte der Chor der Verzweifelten an mein Ohr, „bitte gib uns das Ende der Trilogie, oh du Messias des künstlich geschwungenen Prügelwortes, schenk uns Ich hab die Unschuld kotzen sehen, Teil 3.“
Da stand ich dann kopfschüttelnd und hirnrotierend vor dem sexu- und intellektuell aufgeladenem Lesevolk und zwar mit zwei aneinandergereihten Ängsten bestückt:
1. Immer, ach für immer werde ich der Typ sein, der die Unschuld hat kotzen sehen. 2. Das Flehen wird nicht nachlassen, oder, wenn es nachläßt, wird es sich in Hass gegen mich verwandeln.
All ihr Flehen und sich wie Pottsäue im Dreck suhlendes Verhalten brachte mich aber nicht zu dem Schritt, einen solchen dritten Teil zu verfassen. Meine eigene Arroganz, die sich in Fachkreisen auch künsterlisches Fortkommen nennt, hielt mich davon ab, wieder einen Reigen kurzer Geschichten zu verfassen, die der klassischen Brisanz der ersten beiden Bücher Genüge getan hätte. Stattdessen verprasste ich meine Tantiemen, für das, was das Leben vergnüglich macht und schrieb weiter feinsinnige Erbauungsliteratur für alle mit Mitgefühl.
Was mich nun aber doch zu dem Schritt bewegt hat? Ein Mädchen? Das liebe (eigentlich aber böse) Geld? Meine Mudda? Die sogenannte Krise? Ich sag mal, irgendwie war es etwas von allem, die Summe der Zufälle meines Autorenlebens ließ diesen dritten Teil zu dem werden, was er schlußendlich geworden ist:
Die beste Buch, das ich jemals innerhalb von 2 Stunden geschrieben habe.
Um meiner eigentlichen Existenz als verwirrte und enthronisierte Kultfigur gerecht zu werden, griff ich auf eine Taktik zurück, die schon etliche Popstars vor mir wählten. First tease them, then please them. Also zunächst, mach die Leute heiß und dann zeig ihnen, was der Slogan „Unschuld kotzen“ wirklich bedeutet. Gedacht, geschrieben, fertig. Ich gehe hier also vor, wie eine Band, die eine Platte herausbringt, die nur aus Hitsingles besteht. Ich hasse Konzeptalben, aber ich liebe Popmusik mit Charakter.
Track 1 ist der Opener, der sich in die unterbewußten Gefühlsregionen schleicht, sie langsam öffnet und in gelassener und trotzdem ultrabrutaler Strategie niederschmetterlingt. Also, seit bereit, dies ist für Euch, für mich, wieder für alle, die es wissen wollen.
Das Teil ist aufgemacht wie der Tonträger einer Popmusikkapelle und die erste Single ist ab jetzt erhältlich und weil ich es manchmal simpel mag und nicht immer Lesefreunde vor den Buchläden campieren sehen mag, ist es halt elektronisch.
Hier der Link:
http://www.ciando.com/shop/book/short/index.cfm/fuseaction/short/bok_id/29520/cat_id/0/cat_nav/0/Titel/Ich-hab-die-Unschuld-kotzen-sehen-3-Track-1/ISBN10/3866086113/ISBN13/9783866086111
Desweiteren werde ich wieder viel unterwegs sein, dieses Jahr und auch aus dem Elektrobuch lesen, allerdings von Papier, wie es sich für mittellose und alkoholkranke Autoren gehört.
Hier die kommenden Dates:
19.September 2009 in Siegen im LYZ im Rahmen des NRW-Slam
22.September 2009 in Trier im Karusell
30.September 2009 in Gießen im Jokus
01.Oktober 2009 in Bielefeld im Falkendom
16.Oktober 2009 in Hanau im AKZ Metzgerstraße
17.Oktober 2009 in Frankfurt im Cave
18.Oktober 2009 auf der Frankfurter Buchmesse (15:45 - 16:15 Uhr) Bitte vor Ort Leseprogramm beachten
21.Oktober 2009 in Luxemburg-Stadt (Luxemburg) im Konschthaus beim Engel
22.Oktober 2009 in Esch-s-Alzette (Luxemburg) im Infoladen Schreibs in der Kulturfabrik
23.Oktober 2009 in Wiltz (Luxemburg) im Präbelli
03.November 2009 in Hannover im Theater im Küchengarten (TAK)
So und nun werde ich mich wieder spätsommerlichen und frühherbstlichen Beschäftigungen wie dem aus-dem-Fenster-schauen, Dinge-vom-Balkon-werfen und gesunde-Mahlzeiten-für-mehr-als-drei-Personen-kochen-und-alleine-aufessen widmen.
Allerherzlichst,
Ihr Lieblingsautor,
Dirk Bernemann
um 12:35 geschrieben irgendwann überirdisch Dirk Bernemann
Donnerstag, September 03, 2009

Unlängst war ich in Gespräche verwickelt, die interviewartige Züge hatten, hier ein Auszug. Zu lesen gewesen bei www.literatopia.de
Literatopia: Hallo Dirk, schön, dass Du Zeit für ein Interview findest! Deine gesellschaftskritischen Bücher sind in aller Munde (und dank Podcast auch in aller Ohren), trotzdem gibt es sicher noch immer Menschen, die mit Deinem Namen nichts anfangen können. Daher unsere erste, völlig unspektakuläre Frage: Wer ist Dirk Bernemann und was macht dieser Typ eigentlich?
Dirk Bernemann: Der Typ macht ne Menge kulturell relevantes Zeug, es gibt mittlerweile 4 Bücher von ihm und er entweiht regelmäßig Kulturstätten in Deutschland mit Lesungen und Performances. Meistens mag ich ihn sogar.
Literatopia: Mittlerweile hast Du vier Bücher auf den Markt gebracht und darfst Dich „erfolgreicher Schriftsteller“ nennen. Aber wie bist Du eigentlich zum Schreiben gekommen und in welchem Alter hast Du gemerkt, dass Worte mehr als nur Buchstaben auf dem Papier sind?
Dirk Bernemann: Das Worte mehr sind als ein Schriftbild, habe ich schon als Grundschüler verstanden. Die intensive Beschäftigung mit der Sprache (und gute Lehrer mit Experimentierfreudigkeit) verstärkten das Interesse noch und dann kamen Gedichte aus mir raus, die zu Kurzgeschichten wurden und damit hab ich heute Erfolg und ich muss sagen: Vielleicht kann ich wenig, aber das hier definitiv.
Literatopia: Männer haben als Kinder ja oft den Wunsch, später Polizist oder Feuerwehrmann zu werden. Ging es Dir ähnlich oder lag Dein Interessenfeld schon immer mehr in der Kunst? Wann und warum hast Du Dich für das Schreiben als Beruf entschieden?
Dirk Bernemann: Ich wollte immer Privatdetektiv werden und hab meine Nachbarschaft beobachtet und tatsächlich hatten einige Leichen im Keller. Kunst und deren Ausdrucksmöglichkeit war schon sehr früh in meinem speziellen Interesse. Das Schreiben kam aber erst spät dazu, zuvor hab ich schon gemalt (ich hab versucht Picassos zu fälschen) und in diversen lauten Gitarren- und Elektrobands gespielt. Schreiben ist ein sehr autistischer Beruf, aber er passt zu mir.
Literatopia: Der UBooks-Verlag ist bekannt für sein außergewöhnliches Programm neben dem Mainstream. Wie bist Du zu dem Verlag gestoßen? Hast Du „auf blauen Dunst“ einfach Dein Manuskript eingeschickt oder ist der Verlag auf Dich zugekommen? Was hat Dich bewogen, ausgerechnet dort einen Vertrag zu unterschreiben?
Dirk Bernemann: Ja, es war der Versuch, dass erste Buch an einen Verlag zu bekommen, ich hab das Manuskript an Freunde und an zwei oder drei Verlage weitergereicht, wovon Ubooks der einzige war, der sich dazu geäußert hat und ich wurde mit offenen Armen empfangen. Es hat sich gelohnt. Für alle Beteiligten.
Literatopia: Auf einer Internetverkaufsplattform findet man von Dir eine Kurzrezension zum Roman „Atmen – Jemand muss atmen!“ Deines Verlagskollegen Stefan Kalbers. Liest Du viele Bücher von den anderen UBooks-Autoren? Für welche Art Bücher interessierst Du Dich generell, für welches Genre kannst Du Dich besonders begeistern?? Und womit kannst Du im Gegensatz gar nichts anfangen?
Dirk Bernemann: Stefans Buch „Atmen“ gefällt mir gut, ich mag den Kalbers generell ziemlich gern, also das, was ich von ihm kenne, bin ja auch schon mal mit ihm aufgetreten und auch das hab ich nicht bereut. Ich mag Bücher, die sich in der Realität und in Traumversuchen aufhalten, nicht aber solche, die schon Träume sind, z. B. Fantasy oder die Biographie von Helmut Kohl.
Literatopia: Zurück zu Deinen Büchern: Warum ausgerechnet Gesellschaftskritik, und warum mit dieser besonderen Prise Sarkasmus und Ironie? Der Buchmarkt boomt derzeit im Fantasy-Genre – warum schreibt Dirk Bernemann nicht auch Geschichten über Vampire und ähnliche Fantasy-Gestalten?
Dirk Bernemann: Weil Vampire mich am Arsch lecken können, ich kenn die nicht und halte die für komische Dinge, die nachts rumlaufen und Leute erschrecken. Meine eigene Romantik finde ich aber eher auf der Müllhalde des Lebens. Außerdem pups ich regelmäßig dem Zeitgeist ins Gesicht. Denn, Zeitgeist, was soll das eigentlich sein, so’n Teil, was rumspuckt und Frösche in Prostituierte verzaubert. Ich schweife ab, aber das tut Fantasy ja als Hauptaufgabe.
Literatopia: Deine Texte sind sehr realitätsnah. Woher beziehst Du Deine Ideen? Sind alle Geschichten aus Deinem privaten Alltag gegriffen, kennst Du einige Deiner Charaktere vielleicht sogar persönlich? Oder entspringt der Großteil der Personen der Fiktion?
Dirk Bernemann: Wenn meine Texte realitätsnah sind, dann hab ich sie wahrscheinlich auch wohl da her, aus der Echtheit des Lebens. Das mag ich, da stürz ich mich rein und bin froh, das erleben zu dürfen, was mich da inspiriert. Natürlich ist auch Fiktion dabei, nicht alle Menschen, die ich beschreibe gibt es auch, aber Teile von denen sind immer ich oder andere, die ich kenne.
Literatopia: Stichwort Inspiration: Wo bist Du, wenn Du schreibst? Hörst Du Musik während der kreativen Phasen? Wenn ja, welche Musikrichtung und warum genau diese? Hältst Du Deine Ideen stichpunktartig fest, schreibst Du also nach Plan oder einfach wild drauf los, wie es Dir gerade in den Sinn kommt?
Dirk Bernemann: Wenn ich schreibe, ist es still. Davor und danach russische Klassik oder Grindcore aus England. Warum? Weil ich’s gut finde und dabei Gefühle habe. Mittlerweile bin ich disziplinierter Schriftsteller, der sich Pläne macht, die ersten drei Bücher sind aber aus dem Druck entstanden, schreiben zu müssen, das Ventil ging auf, das Buch floss raus. Tralala, fertig ...
Literatopia: Sowohl in „Ich hab die Unschuld kotzen sehen 1 + 2“ als auch im aktuellen „Ich bin schizophren und es geht mir allen gut“ wurden Gedichte veröffentlicht, die auf den Leser sehr persönlich wirken. Warum hast Du Dich entschieden, diese Stücke zu veröffentlichen, und wie wurde die Auswahl getroffen? Welchen Wert hat die Lyrik für Dich persönlich?
Dirk Bernemann: Lyrik ist das, wo ich herkomme, da sind die Wörter am schönsten, die Gefühle am direktesten. Meine Gedichte, bzw. ein Großteil, waren früher Songtexte von Bands, die ich betrieb. Die Auswahl war ein zufälliges Verfahren, ich hab ungefähr 1000 Zettel in die Luft geworfen und hab mich durchs Zimmer gerollt und was an mir hängenblieb, kam ins Buch ...
Literatopia: In der Anthologie „Wahre Märchen“ hast Du die Kindergeschichten „Dornröschen“ und „Hänsel und Gretel“ ein klein wenig umgeschrieben. Welchen Hintergrund hatten Deine Beiträge zu der Kurzgeschichtensammlung und warum hast Du Dich gerade für diese beiden Märchen entschieden?
Dirk Bernemann: Hänsel und Gretel finde ich mehr denn je aktuell. Es geht da ja auch im Originalmärchen um eine sozial verrottete Familie, die nicht mehr imstande ist, ihre Kinder adäquat zu versorgen. Bei Dornröschen mag ich die Romantik, den 100jährigen Schlaf und den Moment des Wachküssens.
Literatopia: Die Cover Deiner Bücher sind ziemlich unterschiedlich und recht unspektakulär, was gänzlich im Gegensatz zu ihrem Inhalt steht. Bist Du an der Covergestaltung beteiligt oder entscheidet der Verlag allein? Wie gefallen Dir selbst die Cover und wie verbindest Du sie mit dem Inhalt der Bücher?
Dirk Bernemann: Ich find die Covergestaltung gerade in ihrer Unspektakularität sehr gelungen. Die Puppe auf „Unschuld“ hat dieses lolitahafte, schwerst naive. Fast ein „easy to fuck“-Blick, der einen da entgegengeworfen wird. Den Gegensatz nehme ich gar nicht so wahr, ich finde es sehr passend, dass das so ist. Die Gestaltung findet in Kooperation mit dem Verlag statt.
Literatopia: Mit Ausnahme von „Satt. Sauber. Sicher.“ haben alle Deine Bücher ziemlich lange Titel. Dabei heißt es doch so schön, dass in der Kürze die Würze liegt. Wie kam es zur Titelwahl? Und warum versteckt sich in „Ich bin schizophren und es geht mir allen gut“ offensichtlich die Falschannahme, dass es sich bei Schizophrenie um eine Persönlichkeitsspaltung handele?
Dirk Bernemann: Oh, ja, das alte Vorurteil, bzw. die falsche medizinische Herangehensweise. Meine Protagonisten und Geschichteninsassen (schönes Wort übrigens für Dirk Bernemann Figuren) haben alle emotionale Über- oder Untersteuerungen, was ja ein Merkmal der Schizophrenie ist und auch wenn ich im Titeltext meinen eigenen Gedankeninhalt verwurste, dann heißt das nicht, dass ich mich als viele sehe, sondern als einer, der viel macht und fühlt.
Dass der Titel so lang ist, ist seinem Schönklang geschuldet. SattSauberSicher ist so kurz, weil ich da sehr sloganartig drauf war und eine Zeit lang auch nur so gesprochen habe. Ich wohn ja aufm Land, da spricht man manchmal Tage lang gar nicht ...
Literatopia: Auch wenn Du wahrscheinlich viel Kritik für Deine Bücher bekommst, hast Du ebenso eine große Fangemeinde. Wie wichtig ist Dir der Kontakt zu Deinen Lesern? Bist Du ein Star zum Anfassen, wirst Du auf der Straße erkannt? Gibt es ein besonderes Erlebnis mit einem Fan, das Dir in Erinnerung geblieben ist?
Dirk Bernemann: Meine Fans sind die geilsten. Von den meisten lass ich mich sogar anfassen, es sei denn, sie haben offensichtlich ansteckende Krankheiten. Auf der Straße hör ich mehr „Geh ausm Weg Du Penner“ oder „Gibts Dein Fahrrad auch in schön?“ als „Guck, mal, n Autor“. Nach Lesungen häng ich gern mit denen rum, die mir zugehört haben und trink Bier mit den Leuten, da kommen häufig gute Gespräche und Begegnungen zustande.
Literatopia: Jeder Mensch hat ein soziales Umfeld. Was sagen Freunde und Familie zu Deinen Büchern? Lesen sie diese überhaupt und wie wichtig ist Dir ihre Meinung? Glaubst Du, dass der Erfolg Dich in Bezug auf Dein Privatleben verändert hat?
Dirk Bernemann: Meine Freunde lesen nicht Dirk Bernemann, sie leben mit ihm. Da werd ich auch nicht als Künstler gesehen, sondern als Typ, der jeden Sonntag mit aufm Fußballfeld steht und noch genau so besoffen ist, wie die anderen Jungs. Mein Privatleben hat sich, seit ich nur noch schreibe, in sofern geändert, als dass ich einfach meinem Privatleben mehr Zeit geben kann. So viel Privatleben kann aber auch ganz schön anstrengend sein ...
Literatopia: Wenn Du Dich nicht kennen würdest und Deine Bücher nicht geschrieben hättest, wie würdest Du darauf reagieren? Würdest Du im Laden daran vorbeigehen oder fielen Dir die Titel sofort ins Auge? Wenn Letzteres, was genau würde Deine Aufmerksamkeit erregen?
Dirk Bernemann: Ich würde unbedingt und in jedem Falle mit mir schlafen wollen. Egal was für ein Geschlecht ich hätte, wenn ich nicht ich wäre. Ich würde denken, schon wieder einer, der schlicht provoziert und dann würde ich lesen und die Bekanntschaft eines Genies machen und dann würde ich das Genie ficken wollen, um selbst eins zu werden. Typisch Mensch, oder?
Literatopia: Auf Deiner Homepage ist die Info zu finden, dass Du noch nie im Ausland gelebt hast. Gibt es ein Land, das dich als Ort zum Leben besonders reizen würde? Wenn ja, welches und warum? Kommt Auswandern für Dich überhaupt in Frage oder hast Du Deine Wurzeln im Ruhrpott und wirst dort auch irgendwann begraben sein?
Dirk Bernemann: Ich hab meine Wurzeln im Münsterland und nicht im Pott. Das sind zwar nur 50 km, aber eine komplett andere Kulturregion. Aber ich reise gern. Ich bin einer, der gern wegfährt, aber genau so gerne zurück kommt. My home is where my art ist und die funktioniert überall, wo ich mich entfalten kann. Auswandern? Wüsste nicht wohin, vielleicht ins Ruhrgebiet ...
Literatopia: Ebenfalls auf Deiner Homepage gibt es die Ankündigung zu einer Veranstaltung names „LitCarl“. Was ist das, was kann man sich darunter vorstellen, wie ist die Idee entstanden und warum sollte man dort unbedingt mal hingehen?
Dirk Bernemann: „LitCarl“ ist mega-wichtig. Das ist ein Konzept, bei dem ich neue Autoren einlade, die ihrerseits neue Bücher haben und ich interviewe die Leute und sie haben Gelegenheit ihre Sachen vorzustellen. Natürlich lade ich nur Leute ein, die ich auch selber gut finde. Los geht’s am 05.11. in der Zeche Carl in Essen.
Literatopia: Du bist nahezu durchgängig auf Lesetour. Warum sollte man auf keinen Fall die Möglichkeit verpassen, Dich live zu erleben? Was erwartet die Besucher Deiner Lesungen und was zeichnet Deine Lesungen aus?
Dirk Bernemann: Meine Lesungen sind intensiv, ich glaube, nicht nur für mich. Ich bin auf der Bühne ein gefühlsbetonter Mensch, ich schreie, wüte, spucke, bin zärtlich zu mir selbst und nebenbei lese ich intensive Sachen vor, von denen ich glaube, dass sie imstande sind, Leute zu berühren. Manchmal singe und tanze ich auch, das liegt dann aber am Wein.
Literatopia: Kurz vor Schluss noch eine Frage für unsere Forenmitglieder, die zum Großteil selbst an einer Karriere als Autor arbeiten oder zumindest insgeheim davon träumen: Welche geheimen Tipps kannst Du uns verraten, die zum Erfolg führen? Gibt es überhaupt ein Patentrezept?
Dirk Bernemann: Ich habe sogar drei Tipps: Druck machen, Druck machen, Druck machen ist der erste, damit meine ich das künstlerische Ziel im Auge zu behalten und es immer wieder anzubieten.
Des Weiteren sollte man aber auch auf andere hören, z. B. Verleger und Lektoren, dadurch kann die eigene Arbeit nur reifen, wenn die Leute wissen, was sie da erzählen. Des Weiteren soll man bitte aufgeben, wenn man total scheiße schreibt, um Platz zu machen für die, die es können. Ich krieg auch häufiger Romankonzepte oder Lyrik aus fremder Feder auf meinen Schreibtisch und das ist zu 80 % der Fälle einfach nur peinlich und lustig. Also peinlich für den Autor und lustig für mich. Ich bin keine Bewertungsinstanz für so was, sondern ich habe einen ausgemachten Geschmack, in dem das meiste mir kredenzte Schriftwerk leider keinen Platz findet. Bah.
Literatopia: Und zu guter Letzt möchten wir natürlich wissen, was uns in Zukunft von Dirk Bernemann erwarten wird. Welche kurz- und auch langfristigen Pläne hast Du, worauf dürfen sich Deine Leser freuen?
Dirk Bernemann: Es wird ein Unschuld kotzen, Teil 3 geben, allerdings zunächst als Ebook, mein neuer Roman wird höchstwahrscheinlich im Oktober 2010 erscheinen. Außerdem arbeite ich an einem Kinderbuch und ich will noch mal fürs Theater schreiben.
Literatopia: Dirk, ganz herzlichen Dank für Deine Zeit und die interessanten Antworten!
Dirk Bernemann: Herzlich gern.
www.DirkBernemann.de
Dieses Interview wurde von Jessica Idczak für Literatopia geführt. Alle Rechte vorbehalten.
um 15:35 geschrieben irgendwann überirdisch Dirk Bernemann
Mittwoch, August 26, 2009
Die eine Frau da
" ... feinen Menschen muß man geben
was sie wünschen, es ist eben
eine Pflicht
nichts ist wichtiger als dies ..."
Tocotronic - Mein Prinz
Statt Statuenbau nun dies:
Früher war ich mal verliebt in die eine Frau da. Die war nicht schön, aber sie war so anders, deswegen mußte sie gar nicht schön sein, damit ich mich in sie verliebe. Sie ignorierte alles, was andere für gewöhnlich und gut hießen, wie z. B. Bausparverträge, Krankenversicherung und Obst, stattdessen mochte sie Dinge wie Jägermeisterfrühstück, Risikoschwangerschaft und Lady Gaga. Es war nicht so ein Verliebtsein, wie das Verliebtsein in eine Frau auf der man Turnübungen veranstalten mag, damit sie anschließend dehydriert an einem klebte, sondern die eine Frau da, war eine, bei der man sowas überspringen wollte und gleich einfach sein minimales Mobilar in ihre Wohnung platziert hätte und gesagt: "Yo, du eine Frau da, ich leb jetzt hier, wir sind jetzt eine Gemeinsamkeit." Aber die eine Frau da war so unnahbar wie Jochen Distelmeyer. Außerdem war die eine Frau da fast 25 Jahre plus eine Alkoholabhängigkeit älter als ich. Und viel hübscher als Jochen Distelmeyer.
Die eine Frau da war in einer Band und machte Indiepop. Auf der Bühne hatte sie ein blaues Kleid mit gelben Blumen an und hüpfte auf und ab wie ein Kind, das vor einem Hornissenschwarm auf der Flucht war. Dazu sang sie: "Ich habe immer nach einer Ästhetik gesucht, die anders ist und sich nicht auf sicherem Terrain bewegt, die keine Geschmäcker bedient oder einen Stil bloß optimiert." Dann schrie sie und warf was um, eine Monitorbox, einen Gitarristen oder sich selbst. Das gefiel mir und meine Liebe zur einen Frau da, von der ich wußte, dass sie immer sinnlos bleiben würde (die Liebe, nicht die Frau) wuchs wie eine Pilzfamilie auf der feuchten Waldlichtungswiese.
Später saßen die eine Frau da und ich in einem Café und sie sagte Sachen wie: "Meine Lieder kann man nicht in Stadien mitsingen, das finde ich gut" und "Pornographie ist ja, neben Selbstmord, der verzweifelste Schrei nach Aufmerksamkeit" und "Ich will nicht sagen, dass alles, was ich tue automatisch legendär ist." Dann schwieg die eine Frau da und guckte wie ein behindertes Mädchen, das zwischen zwei Glasscheiben auf die Fläche eines großen Mikroskops gepresst wurde.
Am nächsten Tag gingen die eine Frau da und ich einkaufen. Wir standen in einem Buchladen und die eine Frau da fing laut an zu erzählen wie sehr sie Hesse mochte und das ihr Lieblingsbuch "Das Glasperlenspiel" sei und dann ging sie in die Comicabteilung und sagte zu einem dicken Kind: "Vorhin hab ich versucht Spiderman anzurufen, der hatte leider kein Netz." Das dicke Kind verstand, dass die eine Frau da eine tragische Figur war und lachte aber nicht, weil nichts lächerlicher war, als ein Kind, dass einen Witz nicht verstand und trotzdem lachte. Das dicke Kind verstand das und guckte die eine Frau da an und sagte: "Ruf ihn einfach später noch mal an. Wahrscheinlich ein Funkloch."
Die eine Frau da erzählte, als wir bei Kaffeerösters Home saßen von ihrem behinderten Bruder, der jetzt Tierpräparator geworden war. "Sein Chef sagt, er sei ein Ausnahmetalent." Und dann lachte die eine Frau da, bis sie fast kotzte und spuckte ihren aufgeschäumten Milchkaffee in meine Richtung. Sie lachte wie ein Kind, dass seine Beine beim Kick auf die Tretmine weggesprengt bekam und jetzt neue in Aussicht standen, welche aus Robotermaterial. Die eine Frau da, die war manchmal so außer sich, dass sie Probleme damit hatte, wieder in sich zu kommen, deswegen mochte ich sie so gerne, weil ich ja jemand war, der eher in sich verkehrte und nicht so sehr außen zu Hause war. Man mag ja oft gegenteiliges.
Häufig war die eine Frau da scheiße gelaunt und redete vom Drang, sich weh zu tun. "Vielleicht kann deine Kunst dich retten", schlug ich der einen Frau da vor und die schüttelte so energisch den Kopf, dass ich fast befürchtete, dass er gleich abfiel. Wir saßen auf einer Parkbank und fütterten Enten mit Weisbrotresten vom Vorvorvortag. "Kunst", so sagte sie und hob dabei ihren linken Zeigefinger, "Kunst hat noch keinen gerettet. Menschen die Kunst machen, machen nur Schwierigkeiten." Ich berichtete ihr, dass meine Kunst mich schon mal von böseren Drogen als Cola befreit hatte und die eine Frau da lächelte und sagte: "Dann hast du eben Glück gehabt."
Wir gingen einmal in einem anderen Park spazieren, die eine Frau da hatte ihren einen Hund da dabei und der sah aus wie eine Wärmflasche mit Füßen und ich wollte ihn treten, weil er so ein dreistes Ding war. Die Wärmflasche drängte sich zwischen uns und als ich seines Erachtens der einen Frau da zu nahe trat, bellte das flaschenförmige Tier wie bekloppt und machte Anstalten, mir Bisswunden im Unterschenkelbereich zuzuführen. "Poppy mag dich nicht", sagte sie zwischen zwei Zigarettenzügen und lächelte dabei, als ob es normal wäre, das mich Geschöpfe, die Poppy hießen, bellten und wie Wärmflaschen mit Füßen aussahen, nicht mögen würden. "Ich mag Poppy auch nicht", gab ich ihr zu verstehen und Poppy hüpfte auf und ab wie ein durchgeknallter Fußball und ich wollte ihn treten, aber was hätte das geändert.
Die eine Frau da erzählte mir von Angstzuständen, die häufig bei ihr zu Besuch waren und auch wenn sie die Angstzustände mit Jägermeister und Artverwandtem beträufelte gingen sie nicht weg. "Wenn ich mal nicht mehr da bin", sagte mir die eine Frau mal, als wir auf ihrem großen Bett Erdbeerkuchen hatten, "also so richtig tot, dann mußt du was über mich schreiben, das alle wissen, wie toll ich war. Aber sag nicht, das ich Lydia hieß." "Wie soll ich dich denn nennen?" "Nenn mich, wie mich mein erster Mann genannt hat, bevor er mich richtig kannte, nenn mich die eine Frau da."
Die eine Frau da ist gestern gestorben, sie hatte ein großes Leben und einen kleinen Hund. Als sie merkte, dass nichts mehr hilft und sie nichts mehr weiterbringt, hat sie sich überlegt, sich auf Bahngleisen aufzuhalten, während da Güterverkehr ist. Mir hat sie zuvor noch eine Postkarte geschrieben auf der zu lesen war: "Verzeih. Ich hatte Ärger mit den Bildern, die sich mein Leben schimpften. Der Hund ist gut versorgt, er haßt dich noch immer. Deine eine Frau da."
um 02:15 geschrieben irgendwann überirdisch Dirk Bernemann
Donnerstag, August 20, 2009

Hallo,
mir war mal wieder nach Dichtung. Hab lang rumgesessen und mich gewundert, warum mein Kaffee nach einer halben Stunde sitzen immer noch nicht kalt geworden ist.
Hier die Auflösung, denn es ist:
Der heißteste Tag des Jahres
Der Mann im Radio sagte es eben
der heißeste Tag des Jahres ist heute
und um den Tag zu überleben
sucht euch Schatten, ihr Tiere und Leute
ich steh aufm Balkon im Unterhemd
und guck so runter auf den Fluß
der fließt so einfach konsequent
er kann nichts anderes, er muß
Sonnenbebrillte lecken Eis
und laufen auf der Promenade
Hunde machen ihren Scheiß
pinkeln wie immer an die Fassade
Ich steh hier so auf dem Balkon
und gucke mir Passanten an
im Radio der nächste Song
wie geil, das ist Bernd Begemann
Es bücken sich zwei junge Herren
zu einem gefallenen Rentner nieder
der mußte Atemluft entbehren
es sieht fast so aus, sie belebten ihn wieder
kann ich euch helfen, brüll ich runter
und der eine brüllt hoch zu mir: Ne
wir sind gleich fertig, brüllt der andere
wir suchen nur sein Portemonnaie
Ok, denk ich, geh wieder rein
und lass den Sommer Sommer sein
und weiß die Ungerechtigkeit
ist auch noch da zur Sommerzeit
Da hinten explodieren Soldaten
die wollten das so, die ham das gelernt
wie man sich mit Handgranaten
Arme und Beine und Köpfe entfernt
Und weiter da hinten, sie drohen
mit atomaren Bombenbeschüssen
es sind nicht die Völker die verrohen
sondern die Menschen sind beschissen
Und vor meiner Tür werden Kinder mißbraucht
und Autos geklaut und Tiere gegrillt
weiterhin wird Marijuana geraucht
und Babys mit Heroin gestillt
Ich will nicht quatschen von Moral
und von psychosozialer Hygiene
und letztendlich ist es mir egal
ob ich mein Ziel verfehle
Ich wollt nur sagen, dass dieser Tag
wie jeder andere Scheißtag ist
doch weil man Sonnenschein so mag
gibts etwas, was man schnell vergisst
Wenn ich jetzt diese Fressen seh
auf all den bunten Wahlplakaten
dann wünsch ich mir auch LSD
oder zumindest Handgranaten
Ich weiß nicht ob es wirklich wahr ist
ob Gefühl im Kopf verbrennen kann
heute ist der heißeste Tag des Jahres
und ich glaub fest, da is was dran ...
um 15:15 geschrieben irgendwann überirdisch Dirk Bernemann
Montag, Juli 27, 2009

Habe Befindlichkeitszeug geschrieben und schäme mich nicht ...
Für alle Studenten und Lebensmittelvergifteten, außerdem für alle weltweit Schweinegrippeninfizierten und für alle mit Mitgefühl für die Schwierigkeit sich zu bücken, für alle die ist dies:
Waiting for something to happen
... und da stehen wir eingereiht, vor uns die Registrierkasse und du sagst zu mir: „Stell dich nicht so an!“ und ich sag: „Wieso nicht? Tun doch alle.“ Und es piept und die Waren werden verschoben, der große Kreislauf aus kaufen und kacken. Die Kassiererin denkt nicht mehr, der große Apparat hat sie gefressen. Auch sie kauft und kackt. Alles ein großes Kaufen und Kacken. Alles für alle und zwar für viel Geld. Alles minus Leben. Acht Stunden Scanning und dann noch ins Fitnessstudio, dann in ein Fast Food Restaurant und das Leben ist eine geladene Waffe, zumindest meins.
Dann sitzen wir in deinem Auto und es ist warm. Im Radio läuft dieser Typ, den alle Olli Schulz nennen und der singt „ ... nimm die Finger von dem Mädchen, verlaß endlich die Bar, draußen scheint die Sonne, die Nacht ist nicht mehr da ...“ Es ist warm. Mein Herz schlägt wild um sich. Boxt von innen gegen meinen Brustkorb, manchmal so sehr, das ich glaube, da kommt gleich eine kleine Faust durch die Rippen. „ ... und dann schlägt dein Herz ...“ Du kurbelst deine Scheibe runter, hälst deinen schönen Ellebogen in den Wind der Zeit und sagst „ ... hahaha, fahrlässig ...“ und ich mache das auch und ergänze „ ... grob fahrlässig ...“
Wir duschen uns mit der Bassdrum unseres Vertrauens. Ich lasse Musik wie Wasser durch die Küche laufen. Du bist da und das ist gut. Wir verstehen uns redend. Du sagst, deine neue Freundin spricht fließend japanisch und da fällt mir ein, dass ich nur fließend Wasser kann, das aber gut. Wir trinken Bier und nennen uns „philosophisches Duett, das über Sloterdijk spricht“, aber eigentlich igorieren wir ihn. Wir trinken mehr Bier. Es ist ein seltsamer Sommer dieses Jahr.
Ein Mädchen ruft mich an. Wir reden sehr lange über die Lage der Nazion, bevor wir persönlich werden. Dann werden wir so persönlich, dass ich es nicht mehr aushalte und auflege. Ich denke mir noch so, wenn das die Lösung ist, die du darstellst, dann will ich schleunigst mein Problem zurück. Es ist gut, ein Problem zu haben. Das macht Aufregung, Aufregung ist was Gutes, ist gut für Lebendigkeit. Manchmal fühlen sich meine Probleme wie der erste bewußte Atemzug nach zehn Jahren Koma an. Ich liebe meine Probleme. Es gibt Menschen, die echte Probleme haben.
Ein Problem hat mich kürzlich im Traum besucht. Das ging so: Wir waren zu zweit allein in dumm-dörflichen Gefilden unterwegs. Da waren zwei Typen gefährlich aussehend, an der Bushaltestelle. Wir hatten Waffen. Wir zerlegten die Leute. Die Bushaltestelle explodierte. Ich hatte Angst vor Schuld, versteckte mich im Wald, wo ich irgendwann krank wurde und verhungerte. Ich analysiere meine Träume nicht mehr, ich lasse sie einfach so, wie sie sind. Schön, schrecklich, meist skurril. Ich weiß nicht, ob ich mit den Drogen anfangen soll, die ihr mir ständig anbietet, aber ich glaube ich bin vernunftbegabt und sage einfach: klar, aber nur soviel, dass ich immer wieder zurück an den Anfang kann. Ich lebe eine seltsame Illusion.
Ich denke an eine Zeit, eine ganz bestimmte Zeit als alles gut war. Die Sonne orange, jedes Lächeln milde. Ich saß in der Badewanne und kümmerte mich um meine Hygiene. Nebenbei lief im Nebenraum Musik, ich glaube, es war meine eigene Band. Draußen war ein Sommer und ich freute mich auf einen Abend mit dir. Ich würde mich schön machen für dich, so richtig schön und du würdest sagen: „Danke, dass du dich für mich schön gemacht hast.“ Und wir würden tanzen, bis wir noch schöner werden würden, mit dem Taxi nach Hause fahren und vor dem Einschlafen laut lachen und mit kleinen Puppen aus Uganda ein Theaterstück erfinden.
Ich habe soeben das Buch „So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein“ von Chrisoph Schlingensief beendet. Ich bin tief berührt und bewegungslos. In dem Buch geht es um Herrn Schlingensief, der Krebs bekommt und damit umgeht, irgendwie und immer denkt er und verzweifelt und manchmal kommt Gott ins Spiel, der mal lacht und mal straft, immer aber irgendwie vor Ort ist und auch ich habe kürzlich mit Gott gesprochen und Gott hat wie üblich nicht zurückgesprochen. Ich versuchs später nochmal. Du sitzt neben mir im Auto und sagst, dass auch du kürzlich mit Gott gesprochen hast, und ihn gebeten hast, dass Lincoln zu Schalke 04 zurückkehrt. Auch dir hat Gott nicht geantwortet. Aber du warst nicht skeptisch.
Die Frau im Drive-In hat das Tourette-Syndrom. Du bestellst einen Big Mäc, einen Hamburger Royal, eine große Cola und sie antwortet durch die Sprechanlage „ ... ein Bic Mäc, du Arschloch, Fotze, Fotze, ein Hamburger, Heil Hitler, Fotze, Fotze, haha, Royal und eine große Fotze Fotze Cola, macht Arschloch, Unfug, nein, nein, Fotze, sieben Euro vierundzwanzig, bitte fahren sie zum nächsten Fenster vor, Fotze, Fotze, Arschloch ...“ Du kennst die Frau und als du ihr einen Zehner in die Hand drückst und sie anlächelst und sie fragst ob alles klar sei, guckt sie dich nicht an.
Wir stehen vor der Bar. Ihr beiden, die eine von letztens, deren Namen ich mir nie merken können würde, nicht weil er so außergewöhnlich ist, sondern eher, weil er so einfach ist. „Ich heiße Anna, du Dreck“, sagt sie mir dann, als ich sie wieder „Flokatina“ nenne. Wir stehen vor der Bar und ich weiß, dass der Sommer zwar seltsam ist und auch weiterhin seltsam sein wird, aber heute abend ist Jazz Festival und ich bin betrunken und ich habe aufgehört zu rauchen. Ich rauche eine und gehe mit euch rein.
Später sitzen Flokatina und ich auf dem Bürgersteig und reden. Sie studiert irgendwas, was mich nicht interessiert, hat dauernd Streß mit ihrem Freund, der Franzose ist und sich wie ein Deutscher benimmt und überhaupt hat Flokatina voll den Krisenstreß am Körper und ich sage ihr, dass nichts so viel mit ihr zu tun habe, wie sie selbst und ich sehe wie sie nachdenkt. Von drinnen höre ich Kegelclubgelächter von mit Taxifahrerlederwesten bekleideten Kegelclubmitgliedern. Ich kaufe vom Rosenstraußmann eine Rose und spreche kurz mit ihm über diesen Sommer und er sagt: „Läufte gut“ und lächelt.
Ich warte darauf, dass etwas passiert. Flokatina ist schon wieder reingegangen und der Rosenstraußmann ist auch schon weg. Ich bin allein. Das ist der Anfang.
um 11:25 geschrieben irgendwann überirdisch Dirk Bernemann
Montag, Juli 20, 2009

Im Halbschlaf kotzen
und hey, bist du denn so spontan
jetzt gleich mit mir ans meer zu fahrn
so frag ich ihn und seh ihn nicken
und Freundlichkeit in seinen Blicken
etwas später fahren wir
mit Zigaretten und Wasserflaschen
und auf der Rückbank liegt noch Bier
der Tank halbvoll und auch die Taschen
der Regen peitscht uns an die Küste
und hinter uns das kleine Land
vor uns die Weite unter uns kein Sand
als wenn das Meer es besser wüßte
wir trinken Bier auf Campingstühlen
und reden stumm von Schöngefühlen
und merken dabei wie schön es ist
das ich hier bin und Du hier bist
wir fahren schweigend dann zurück
zurück in unsere kleinen Leben
manchmal ist das kleine Glück
nicht da wo es war, sondern dicht daneben ...
Also wenn wir das Glück auf Landkarten suchen
wohnst du gleich neben im Halbschlaf kotzen ...
um 12:48 geschrieben irgendwann überirdisch Dirk Bernemann
Sonntag, Juni 28, 2009
ich in irgendwo, tut nichts zur Sache eigentlich, aber schöner Tisch ...
This was Michael
In meinem Umfeld gab es zum Tode von Michael Jackson die verschiedensten Reaktionen. Irgendwie bewegt sich grad alles zwischen den Polen Hass, Liebe und Kerzenanzünden und ich weiß auch nicht, wieviel Trauer wirklich gut für mich ist, die ich für diesen Mann empfinden kann. Vor kurzem ist übrigens die Nachbarskatze von einem Volvo überfahren worden, ich war zur Beerdigung eingeladen (der kleine dreckige Nachbarsjunge von acht Jahren stand total zerzaust vor meiner Wohnungstür und hielt mir einen Zettel hin auf dem zu lesen war: "Jochen ist tot wegen ein Auto ihn überfahren, Beerdigung bei uns Garten, am Donnerstag 15 Uhr, Kaffee, Kuchen, Schokolade und Chips selber mitbringen, Leon ...") und ich bin nicht dagewesen, weil mir das zu traurig war.
Bei Michael Jackson ist das jetzt irgendwie anders. Irgendwie findet da ein Bezug statt und zwar einer, der mit deutlich macht, irgendwo in der Mitte meines Lebens rumzustehen und schon einiges erlebt zu haben, was nicht immer nach Frühling roch. Der Typ war Teil meiner Jugend, Teil meines Gefühlslebens zwischen 8 und 14 Jahren und egal, wie sein Gesicht aussah, ich war von seiner Coolness angetan. Er gewann sogar den Coolnesswettbewerb gegen meinen auch schon verstorbenen sonstigen Helden zu der Zeit: Falco. Falco war der erste weiße Rapper, für die, die ihn nicht mehr kennen. Ein emotional Man, der hinter Sonnenbrillengläsern wohnte und in dessen Welt es nur Selbstgerechtigkeit zu geben schien. Das fand ich cool und einen Song wie "Jeanny" gab es bislang auch kein zweites Mal.
Aber Michael Jackson war dann sowas wie ein Popfreund, den man gutfinden kann, um sich selbst künstlich zu besonderen. Skandale wie "neue Nase" oder "milde Bleiche" oder aber "Fummeln mit Liz Taylor" waren für mich nie ein Grund, ihn irgendwie kacke zu finden. Er moonwalkte sich in mein Kinderherz und ich war unendlich dankbar dafür, auch endlich einen Popstar zum Gutfinden zu haben, der zwar kaum Identifikationspotential bot, dafür aber unendlich viele Mystifikationsmöglichkeiten. Ich glaube, er war der Grundsteinleger für meine heutige Verhaltensauffälligkeit komische Menschen zu mögen.
Obwohl der Mann so ultrapopulär war, hat er doch polarisiert wie kaum ein Zweiter. Wie gesagt, es gibt hier in meinem Umfeld Leute, die spontan in Tränen ausbrachen, als sie vom Tode des Popstars hörten, aus einem Nachbarhaus hörte ich heute den ganzen Tag in voller Lautstärke "Beat it" und ich weiß, dass in diesem Haus eine alleinstehende Achtzigjährige wohnt, die nur noch zum Einkaufen oder zum Köterrumschleifen vor die Tür geht.
Der ungefähr vierzigjährige arbeitslose Junge aus meiner Nachbarschaft zum Beispiel, der, der immer öffentlich Vodka aus der Flasche trinkt und auch genau so riecht und dann mit seinem Auto ständig rythmisch gegen die Hauswand fährt, der hat mich vorgestern angehalten und mich gefragt: "Paffe Fresse, Kacktyp?" Als ich entschieden verneinte, meinte er: " Also ich weiss ja nich, ob das irgendwer mitbekommen hat, aber wer ständig Kinder bei sich pennen lässt und Vätern und Müttern atemberaubend hohe Schweigesummen in finanzkrisenbeendender Millionenhöhe zahlt, um es nicht zu einer Anklage wegen Vergewaltigung kommen zu lassen, der, also echt mal, der hätte schon vor 15 Jahren von 20 heroinabhängigen Preisboxern auf Tanzpille zu Tode gebumst werden sollen." Typ schwieg dann und trank einen großen Schluck aus der Arbeitslosenpulle und als ich nur nickte und nichts sagte, brüllte er mich wieder an: "Paffe Fresse?" Ich verneinte erneut und ging weiter. Er rief mir noch ein " ... uncharmanten Tag in der Hölle des selbstverzweifelten Daseins ..." hinterher und ich wußte, dass er eigentlich sich selbst meinte.
Zuhause dann wurde meine eigene Verbindung zu Michael Jackson bewußt. Als ich so 12 oder 13 Jahre alt war und die Bad Platte gerade aktuell war, war ich einer der talentfreisten Michael Jackson Imitatoren. Total Popkultur war damals die sogenannte Mini Playback Show (mit der niederländischen Behindertenimitatorin und Pädagogikversagerin Mareike Amado) und dieses Format gab es damals auf fast jedem Kinderfest, zu dem ich eingeladen war. Also jedes Kind suchte sich seinen Lieblingssong aus und imitierte ihn mit einem Mikrofonersatz in der Hand. Ich weiß noch wie die damals vielleicht 11jährige Sabrina (Name geändert) beim Madonnaimitieren von Like a virgin sich salzige Erdnüsse in ihre Geschlechtsöffnung steckte und dann tanzte, als würde sie von drogensüchtigen Bauarbeitern durch die Gegend geschubst werden. Sie tanzte so lange bis sie hinfiel, dann aß sie zwei Buntstifte und benutzte Asthmaspray für die Vermeidung von Totgehen und den Rest der Party saß sie total autistisch da und wollte auch später nicht nach Hause gehen, weil sie Angst vor ihrer Mutter hatte, die ihr auch diese Art zu tanzen beigebracht hatte. Sabrina ist heute übrigens Inhaberin eines Kosmetikstudios. Glückwünsch.
Ich hatte zu der Zeit zwei coole Freunde, Kai und Tobi (Namen geändert), die bei Miniplaybackshows immer Kerry King und Tom Araya von Slayer waren, mit 12 schon Dosenbier mit sich führten und sich aufführten wie Haftinsassen auf Freigang. Die haben immer am Ende ihrer "Auftritte" immer ihre gitarrendarstellenden Tennisschläger zum Unmut ihrer Gastgeber auf dem Fußboden kaputtgeschlagen, was fast immer zu Rausschmiß und Unbehagen führte. Aber die beiden waren cool. Kai ist heute Anwalt und Tobi hat hat in einer großen IT-Firma so Frickeljobs zu tun, um irgendwas mit Daten zu retten. Ich glaube, Slayer zu sein, war eine gute Vorbereitung auf derlei Gejobbe.
Ich war dann immer Michael Jackson bei diesen Playbackkinderevents und die kleine dicke Liesel wollte immer die kleine dicke Mareike Amado sein und dann stand sie vor mir und laberte mich immer voll, wie alt ich denn sei und was ich für Hobbies hätte und was mein Lieblingsfach in der Schule sei. Liesel war komplett dumm, aber sie machte ihren Amado-Job gut und das Ambiente paßte. Dann interpretierte ich zumeist Bad, Thriller, Smooth Criminal oder in ganz glorreichen Momenten We are the world. Beim Moonwalk allerdings versagte ich fast immer. Das war diese Tanzart, die MJ perfektionierte, diese Tanzart die wie vorwärts laufen aussieht, obwohl man sich rückwärts bewegt. Mysteriös. Ich konnte entweder rückwärts oder vorwärts tanzen. Aber ich drehte ich wie bekloppt und in diesen Augenblicken war ich der König der Popmusik und mein Coolnessgrad nahm zeitweise etwas zu.
Ja, daran mußte ich gerade denken und auch daran, dass ich super gerne mal Sabrina, Kai oder Tobi wiedersehen würde. Ich kann immer noch keinen Moonwalk, naja, hab auch lange nicht mehr geübt.
Michael Jackson allerdings war ein Typ, der kurzzeitig immer in mein kleines unbedeutendes Leben geleuchtet kam und ich weiß noch heute um die Wohltat die das mit sich führte.
Who´s dead?
In diesem Sinne,
Dirk
um 23:50 geschrieben irgendwann überirdisch Dirk Bernemann
Mittwoch, Juni 03, 2009

was so auf der Straße liegt, wenn man mal genau hinguckt, ist manchmal aus Plastik
und ich lauf so rum und seh Vibratoren rumliegen und laß die Sonne mein Wetter sein und alles verschwimmt in diesem orangen Licht und ich beginne zu respektieren, was ist ...
... sommertags schreib ich sonnenscheinbeschienen immer hiphops ...
Yo, yo, yo, re, re, respect ...
respect to the man in the icecream van
he..s filling the waffel like sonst keiner can
and I scream "Ice cream, Erdbeer und Banähn"
respect to the man in the icecream van
respect to the man in the Bierbudenhaus
everybody comes in and he can..t raus
he..s also selling C-Wurst and Blumenstrauß
respect to the man in the Bierbudenhaus
respect to the man selling Crack on the street
because dreizehnjährige Hauptschüler get there what they need
and he also has other things to make life complete
respect to the man selling Crack on the street
respect to the Prostituierte in the Nebenstraße
standing doof rum und breathing Autoabgase
she is smelling like ausgeleerte Blase
respect to the Prostituierte in the Nebenstraße
respect to your mother, die vor Aldi breakt
mit den ganzen Kids around her ihren Body shakt
und dressed by KIK, weil sonst nichts geht
respect to your mother, die vor Aldi breakt
respect to the Tussi in the Minirock
walking bauchfrei around the Häuserblock
thinking: I am dump but I fucking rock
respect to the Tussi in the minirock
respect to the Müllmann hinten aufm Trittbrett
wearing orange Bekleidung und being außerordentlich fett
thinking: Wegwerfgesellschaft is voll korrekt
respect to the Müllmann hinten aufm Trittbrett
respect to the policeman, Frauen gucken im Park
making himself eher so nen voll gechillten Tag
not fucking the Kleindealer, weil er heute nicht mag
respect to the policeman, Frauen gucken im Park
respect to the drunk Hartz4 Empfänger
always saying: Ich kann nicht länger
the social system is an unknown stranger
respekt to the drunk Hartz4 Empfänger
respect to the Sommer and vor allem to the Sonne
respect to the Penner making fire in the Tonne
who is free and easy and strahling aus Wonne
respect to the Sommer and vor allem to the Sonne
respect to everybody and vor allem to me
respect to this summer poetry
respect to the respect and to all I can see
respect to everybody and vor allem to me
yo, yo, yo, re, re, respect ...
um 22:46 geschrieben irgendwann überirdisch Dirk Bernemann
Punkrockerbauch mit Autogramm in Schönschrift
Blick ausm Hotelfenster
Linzfest und was sonst noch so im Juni geht
Linz ist ja in diesem Jahr europäische Kulturhauptstadt. Kulturhauptstädte haben laut EU das Ziel, die europäische Integration zu fördern. Die den jeweiligen Städten übertragenen Titel, läßt auch immer auf erhöhte Aufmerksamkeit in touristischen Belangen und vermehrte Besucherzahlen hoffen. So zumindest wurde ich auf den Weg geschickt, mit einem Rucksack voller Kulturgut nach Linz zu reisen, um dort Integration zu feiern. Ich muß sagen, von meiner Seite hat das geklappt.
So, bin grad zurück vom Linzfest, wo ich am Pfingstmontag auf nachmittäglich sonnenbeschienener Wiese eine Stunde lesen durfte. War mal schön mit der Donau im Rücken und vollkommen gechillten Österreichern vor der Bühne, besser als die sonstigen Stadionlesungen, die immer so anonym sind, das ich mich selbst kaum noch erkenne. Also Top-Ambiente und trotz fast ausschließlich liegender und hippiesque verkrümmter sitzender Zuschauerschaft kam eine Begeisterungsflut auf, die mich selbst erstaunte. An dieser Stelle nochmal danke an die Verantwortlichen, Organisatoren, Köche und Bierverkäufer auf diesem Fest. Schön wars.
Sonntag Abend habe ich auf diesem Kulturhauptstadtfest in Linz im Dämmerzustand (Tagesbierform plus Dunkelheit) die wunderbare Band Mogwai aus Glasgow sehen dürfen. Mogwai sind fünf Typen, die sich melancholischem Gitarrenrock mit expressionistischen Gewaltausbrüchen verschrieben haben, ohne dabei die melodiöse und schön verstörend klingede Basis zu verlieren. Live sieht das dann so aus, dass man mit Bier und Kippe vor der Bühne steht und die Kippe verglüht und das Bier verschalt, weil das, was man hört einfach fähig ist, gleichzeitig zu heilen und zu zerstören. Ganz seltsames, aber durchweg mitfühlbares Gefühl, welches diese Band live bei mir hinterlassen hat. Dazu passend hat man eine Lichtshow gebastelt, die den innovativen Sound visuell tanzbar machte. Groß. Wirklich groß. Wers nicht kennt und keine Angst vor großen Gesten, die aufs Herz zielen hat, reinhörn.
Tagsdrauf habe ich dann gelesen (zur literaturunkonformen Zeit von zwölfUhrdreißig) und ich habe noch nie auf so einer fetten Festivalbühne lesen dürfen. Wie erwähnt, in meinem Rücken die graue Donau, vor der Bühne overchillte Österreicher, die aber die hingebungsvolle Leseakrobatik angenommen haben wie kleine hilfebedürftige Waisenkinder. Meine Texte fühlten sich gut aufgehoben, angenommen und asyltechnisch einwandfrei behandelt. Man spendete reichlich liegende Ovationen und kaufte meinen Büchertisch radikal leer, besser konnts nicht laufen. Ich signierte Bücher, Bäuche und Brüste und war fasziniert von den Menschen, die außer entspannt zu sein, auch noch klug und witzig waren. Echt mal.
So, desweiteren geht im Juni lesetechnisch auch noch was und zwar an folgenden Orten.
10.06. Düsseldorf Uni
23.06. Mainz Kulturcafé
24.06. Fulda Fegefeuer (mit Andy Strauß)
Ich muß jetzt zusehen, das ich von dieser gechillten österreichischen Art wieder in meinen gewöhnlichen dummdeutschen Alltagstrotteltierherdentrott komme und weiter rave.
So, bis bald mal,
Österreichasylant,
Dirk Bernemann
um 22:18 geschrieben irgendwann überirdisch Dirk Bernemann
Dienstag, Mai 26, 2009
(foddo by S. Hünefeld)
Manifestiert in Kunstgebilden
Das Gefühl von dem ich spreche ist wie: Elend verkaufen. Mutters Rente versaufen. Sich selbst monetisieren und dann spät merken, dass man sich verkauft hat und zwar an die mieseste aller Empfindungen.
Da steht ihr alle rum und guckt dem Unfall beim Passieren zu. Verkauft Eure Sensibilität im Internet und auch Eure Revolution verscheuert ihr für Erdnüsse und die Geschwindigkeit des Rausches. Jugendlichkeit kann man anziehen. Meine ewig seltsame Kontroversen erzeugende schmale, schwarze Lederkrawatte ist dafür der absolute Gegenbeweis.
Mein Restleben soll erstrahlen. Die Faust, in der ich meine Ersparnisse halte schlägt auf mich selber ein. Die Befindlichkeitsstörung, die andere Leben nennen, hatte ich schon hinter mir als Helmut Kohl Bundeskanzler wurde. Das war 1982.
Meine Biografie ist unendlich, unbeschreiblich und unbeschreibbar. Manchmal fehlen einige Buchstaben. L.I.E.B.E oder H.A.S.S. oder die anderen, die alle alphabetisch aufgestellt zum Scheiße labern einladen. Die benutze ich für das Ausdrücken von Eindrücken.
My home is where my art is. Und das Haus, das ich baue hat Platz für die ganze tragische Kompromisslosigkeit, die ich bin. Und ich liege entwurzelt im Garten und weiß, wer ich nicht bin.
Das war sowieso immer viel entscheidender als Entscheidungen. Das ganze Anti mit allem Pro weggespült wie kalten Wodka am warmen Baggerseetag, an dem ich schon um viel zu früh viel zu elend rumlag und genau das, was in mir tanzte, war der Grund, es nicht rauszulassen.
Da findet mich wieder wer komisch, asozial, egoaggressiv und was sonst noch für Worte kursieren, die mich als Mangelerscheinung darstellen wollen. Ja, ich bin Euer komischer Asozialer, der im Dreck spielt, der erst randaliert und dann aufräumt, um dann wieder zu randalieren.
Manifestiert in Kunstgebilden und verwurzelt in der Entwurzelung.
um 23:51 geschrieben irgendwann überirdisch Dirk Bernemann
Dienstag, Mai 19, 2009
Muß ja
Sonntag, 16 Uhr 02!!! Und dann sagst du, zuhause, das war nicht gut, denn zuhause da warst du schon vor langer Zeit und es ist einfach nicht gut, da gewesen zu sein. Zuhause, so sagst du mir, richtet in dir etwas Ungutes an, etwas von ewiger Abhängigkeit an einen Ort, sowas von ständigem Bemuttertsein und immer wenn du da bist, bist du die Tochter und dies ist nicht deine Küche und ewig fühlst du dich unselbstständig, selbst, wenn du nur einen Löffel aus der Schublade holen willst. Sie, die Mutter, erledigt das dann und du denkst: danke, aber auch: Bitch und sie denkt: muß ja, muß ja, muß ja und dann sagt sie: muß ja, muß ja, muß ja und du fragst dich: Was denn eigentlich und sie guckt dich an und spricht über diesen großen Garten da draußen und du denkst, was ist das für ein scheiß Garten, in dem man mich gefangen nehmen will und sie sagt: muß ja, muß ja, muß ja und du sagst: ja gerne und hälst ihr zitternd deine Kaffeetasse hin und er sitzt daneben und ist ihr Mann und ißt ihren Kuchen und brummelt: muß ja, muß ja, muß ja und du wehrst dich immer noch dagegen. Mit Händen, Füßen und Magengeschwüren. Nichts muß doch, denkt die Freiheit in dir und dann denkst du trotzdem: Danke für das hier alles.
Sonntag, 18 Uhr 30!!! Und dann gibt man sich die Hände und vermisst die Liebe und die bleibt nicht hier an diesen Wänden und die Liebe denkt: muß ja, muß ja, muß ja und du glaubst: Na klar, muß das und du holst den Respekt aus der Tasche und stellst ihn unbemerkt in eine Ecke und dann gehst du langsam leise nach Hause und denkst dir: muß ja, muß ja, muß ja und in dem Moment haben sie dich noch lange nicht und Sozialisation ist ein Wort das fast so aussieht wie Sozialstation und du denkst du bist nicht mehr das, was du warst und bemerkst Prozesse in dir und dann machst du eine Tür auf und eine andere zu und stehst mitten im Raum und der Raum sagt: muß ja, muß ja, muß ja und du willst alles abfackeln, was du nicht bist in diesem Raum und das ist eine ganze Menge, es würde ein großes Feuer werden und das Feuer sagt: muß nicht, viel zu radikal und du denkst: Scheiße.
Sonntag, 20 Uhr 59!!! Der Tatort ist scheiße und der Fernseher sagt: muß ja, muß ja, muß ja und da wird jemand abgeknallt und auch du hast Lust, manchmal alle abzuknallen und dann drehen sie einen Film über dich, viel besser als so einen Tatort, eher so einen Film wie sie jetzt über Jaques Mesrine gedreht haben. Denn du tötest alle konfliktscheuen Landschaftbesteher, einfach so, weil dein Gerechtigkeitssinn sagt: muß ja, muß ja, muß ja und dann schließt du die Augen und bist ein kleines Mädchen und dein Vater sitzt vor dir in der Badewanne und lächelt und du hast etwas in der Hand, was ihm gehört und dann schlägt er dich wieder auf den Arm und dann passierte das, was alle immer für unmenschlich hielten, aber: muß ja, muß ja, muß ja und niemand sollte sich wundern, wenn du mit einem Flammenwerfer plötzlich doch mal irgendwo ...
... schnell die Augen wieder auf und der Tatort ist immer noch mies und wieder einen Sonntag überlebt denkst du und überlegst dir, was du morgen deinem Therapeuten erzählst und dann hast du plötzlich wieder Angst vor dem Schlafen, so wie früher schon mal, als er immer rein kam und sich an Dich schmiegte und du aber nicht unbedingt so und er so: muß ja und du so: ja? und er so: ja! und alles wurde wieder peng.
Sonntag, 23 Uhr 15!!! Eine geladene Waffe ist wie Intelligenz. Du kannst sie verwenden, es aber auch lassen und immer ist die Wirkung kurios. Es hat mit Macht zu tun, denkst du und das du auch welche hast, also Macht und dann versteckst du dich in dir und läßt die Wächter um dich laufen, die dich schon in der Kindheit nicht beschützen konnten, aber sie laufen, weil sie vertraut sind und dann liegst du da und halbschläfst ein ...
um 13:57 geschrieben irgendwann überirdisch Dirk Bernemann
Freitag, Mai 08, 2009
Dieser Text kann nicht viel außer er selbst zu sein …
Ich bin reduziert, ich hab mich reduziert auf ein Minimum existenzfähigen Lebens.
Und der Rave ist unser. Wir toben, bewegt von Bässen, die uns wie liebgewonnene Freunde streicheln in der Tumultwelt des Nachtlebens. Das absolut nackte Nachtleben klebt an unseren Fingern, wenn wir andere Tänzer berühren oder ein Glas oder einen Geldschein, aufge- oder entrollt, je nachdem wie wir unsere Hirne duschen. Der Tanz der Arroganz zirkuliert und ich bin …
… voll von bunten Träumen einen Raum betretend in dem pulsierendes Leben leuchtet und schreit, dort wo Leiber ekstatisch ihr Fühlen beginnen und im Trauma enden und sich selber schänden. Und dann bin ich untergetaucht als einer von vielen und vollends unter Einfluss der Musik, die sie spielen und nach all dem Konsum und dem Zeitverrinnen ist was draußen ist draußen und was drinnen ist, drinnen. Und die Zeit vergeht und mein Drama hat begonnen und mit der Masse verwoben bin ich benommen. IchLichtMusik und IchLichtMusik. Und AlleLichtMusik. Und man merkt, dass Gefangenschaft auch was Gutes sein kann.
Ich bin reduziert, ich hab mich reduziert auf ein Minimum existenzfähigen Lebens. Das Gefühl nur aus Schweiß zu bestehen, das Gefühl, wie ein Wald zu riechen, das Gefühl, nur ein Gefühl zu sein. Unbestimmt und trotzdem zu groß für diesen Raum. Mein Ego expandiert. Zu groß für irgendeinen Raum. Kleiner geht nicht, kleiner werden, hieße unsicher unsichtbar wegblenden, also bleibt uns nur die Größe, die ewig wachsende, um sich greifende Größe, mit der wir den Boden der nicht akzeptierten Tatsachen betanzen.
Mein Hirn ist so weich wie mein Herz und alles ist im Einklang. Schlägt um sich. Alles. Viervierteltaktung. Bummbumm. Egoliebe. Bumm. Hier ist die Zeit egal, es zählt die synthetische Fläche, die der DJ in die zuckende Epilepsiestation vor ihm wirft. Und er wirft, nimmer müde, unaufhörlich, immer noch die Nuance dazu, um kurz vor der Ekstase dann vor selbiger zu fliehen und dann kommt der Bruch in die Musik und dann steigert sich alles wieder wie idealer Sex, der endlos sein will. Dies ist die Verbesserung des Idealzustandes.
Bewegung, das Tanzbein und auch das andere und Stille wäre jetzt der Tod, aber Tanz ist Gleichschaltung der Gefühle und Happiness Happens, wenn wir es wollen und wo ein kollektiver Wille, da ein bahnbrechender Beat, der auch als “Die Internationale” interpretiert werden kann. Ein Bumm versteht ein jeder, ein jeder hört es bassverstärkt klopfen, ein jeder bekommt die Magengrube stimuliert. Und das, was darin ist, tanzt, jubiliert und tanzt und alles was ich aß und trank und eingeatmet hab umarmt sich in mir.
Menschen werden kollektiv, das Individuum im zuckenden Blitzgewitter unsichtbar und ohnehin hören ja alle nur den Beat, der die Leute unterdrückt wie ein lächelnder Diktator. Da zappelt sich was durchs Kleinhirn, was mir mein Kritikvermögen auffrisst glaub ich. Aber soll es das essen, das Kritikvermögen, das brauch ich eh nicht. Nicht an diesem Ort. Ich bin reduziert, ich hab mich reduziert auf ein Minimum existenzfähigen Lebens.
Und mit dem nächsten
Zeitloop stehst Du
Plötzlich da
Tanzt durchs
Geäst der wirbelnden Masse
Auffällig wunderbar
Und du lächelst
Die Distanz
Zwischen uns
Kaputt und
Ich sehe Dich nähern
Und auch ich distanziere
Mich von dem Glauben
Das nicht die ganze Nacht aus Anonymität
Zu bestehen scheint
Und Augenblicke später
Sind auch nur Zeit die vergeht
Und verkommt und ich sehe unsere Herzen
Schon synchronisiert schlagend schleudern
Jetzt tanzt Du vor
Meinem Auge
So unglaublich greifbar
Dein Mund so breitgelächelt
Deine Augen geschlossen
Ich abgeschossen und doch lebendig
Nur fühlbar gelebt und bebend
Vor Zeitlupe, in der das alles geschieht
Und dann formst Du Deinen Mund zum Kuss
Und auch ich schließe meine Augen
Bereit diesen einen Kuss zu empfangen
Der Kuss, der die Nacht, den Tag, das Leben
Drehen kann
Und es vergehen Splitter Zeit in denen nichts geschieht
Und im nächsten Augenblick ist das Zimmer wieder laut
Ich öffne die Augen
Und Du bist nicht mehr da
Nur zuckende Blitze und diese Geräusche
Als würden Panzerketten durchs Parkett sich wüten und
Alles wieder laut, wie davor, wie immer, wie gehabt
Und was mache ich Idiot?
Ich tanze weiter …
Ich bin reduziert, ich hab mich reduziert auf ein Minimum existenzfähigen Lebens …
um 15:01 geschrieben irgendwann überirdisch Dirk Bernemann
Mittwoch, April 22, 2009

da da is tisch es
Und ich wurde
Djhellhörig
als Du sagtest:
mach ma die Musik Liza, Minelli
durch die roasrote LuxemburgBrille
sah ich, dass Deine Kleidung gut paßt
und zwar zu Deinem schlechten Geschmack
und als Du sagtest: Ich tu nicht den Teufel – der Teufel tut mich
dachte ich, dass das ja wohl mal sein kann
Ich muß mehr tun, Fisch
antwortete ich und es
klausmariabrandauerte mal wieder
ziemlich lange, bis Du wußtest,
was ich meinte
um 02:21 geschrieben irgendwann überirdisch Dirk Bernemann
Samstag, April 18, 2009
Liebe Empfänger!!!
Habt Ihr auch manchmal das Gefühl, hier ist alles zu klein und zu wenig? Das Euer Kopf eingentlich viel mehr braucht, als Euch zugemutet wird? Das Ihr viel mehr Gefühl braucht, als es im Allgemeinen erhältlich ist?
Ich fühle mich wie eine Postkarte, die man in einem Moment schreibt, in dem man aufgebracht ist und verhaltensgestört wirkt, weil ein großer Moment passiert. Das komische ist nur: hier war gar kein großer Moment. Nichts ist kaputt, nichts ist neu, vor meinem Fenster nisten keine seltenen Tiere, James Last ist wieder auf Tour und trotzdem hab ich dieses Postkartenfeeling.
Vielleicht bin ich einfach zu affektiv, soll heißen, Kleinigkeiten wie das Atmendürfen von frischer Luft sind schon imstande, mich für mehrere Stunden blöd grinsend auf meinen Balkon zu stellen und da einfach nur zu stehen und zu gucken. Seltsam, ich glaub, is Frühling.
Um zum Frühling gehören ja auch schon mal Frühlingsgedichte, eins ist mir grad aus der Tastatur gefallen und es hat nichts zu tun mit „blauen Bändern“ oder „sprießenden Knospen“, sondern lediglich mit mir. Das ist wenig, aber es reicht.
Ichhierso
ichhierso steh so rum
aufm Balkon
häng Wäsche auf
und Alltag ist
und Frühling auch
nicht viel was man
braucht hat Mehr-
wert, aber alles, was
man braucht ist
manchmal einfach da
Bedürfnisinsuffizienz
ganz gut so, ne, ja, sicher
heute abend: Grillen, Bier und
Fußball im Park
ichhierso steh so rum
die Party ist scheiße
Musikgeschmack ist
die Zunge, die langsam durch
den Aschenbecher der Popkultur
gleitet und ichhierso kann das ertragen
dann kommt Besuch
Kaffeetassen werden gespült
ich schreib an einem Buch
ich gucke durch die Fensterscheibe
Vogelscheiße und -stimmen
gutso statt gehtso
Ja, so viel zu Poesieteil des Newsletters.
Jetzt noch ein Veranstaltungstipp: Ich selber lese diese Woche ein paar meiner alten, neuen und gänzlich unbekannten Sachen vor. Und zwar in Leverkusen (Platz 7 oder 8, der trostlosesten Orte Deutschlands, ich war selbst noch nie dort ...). Dort gibt es ein Literaturfestival mit dem coolen Namen „Levliest“ und da bin ich am 26.04. zu Gast. Orte und Zeiten kann man der Tagespresse entnehmen.
Und nun folgend, noch ein Kochrezept: 1 x Fallafel bitte, nur scharfe Soße, ja Salat komplett, danke...
Bis die Tage,
Ihr
Lieblingsautor
Dirk Bernemann
um 15:25 geschrieben irgendwann überirdisch Dirk Bernemann
Montag, März 30, 2009
Ich stehe auf und laufe ein wenig in der Küche umher. Ich stehe in der Mitte diverser Wortketten, die sich wie Weihnachtsbaumlametta um mich gelegt haben, die ich aber nicht greifen kann. Überall hängen Metaphern, mein ganzer Schädel ist eine Art Galerie, die ich zwar betreten kann, aber es macht augenscheinlich keinen Sinn in der Ausstellungshalle meines Großhirns spazieren zu gehen, da all diese Kunstwerke, die an den Schädelwänden hängen, überhaupt keinen Zusammenhang bilden. Sie sind alle individuell, groß und gleichbleibend geltungssüchtig, aber ihnen fehlt der legendäre Klebstoff, das Ejakulative das alles überschwemmt und alle Bilder mitreißt und sie zu einer großen Statue formiert, die strahlender und glänzender ist, alles, was ich bislang schuf.
Ich war mir nie zu schade für meine Kunst auch durch das tiefe Tal der Lächerlichkeit zu gehen, nur um noch 5 Gramm Herzenswut mehr zu spüren ... hier nun meine Demut, meine Hingabe, meine Radikalität und meine Liebe und ich weiß es, denn ich habe es ausprobiert: Mando Diao Mädchen sind nur mittelmäßig im Bett ...
Dies ist ein Theaterstück für eine Person ...
... auf der Stelle tretender, abgemagerter Künstler, zitternd, in seinen Taschen wühlend, unter den dünnen Ärmchen eine Textmappe ...
... der Künstler beginnt durch die Kunst zu sprechen ..., verweigert dabei jedlichen Kontakt zu sich selbst ...
Ich war mal so nett und habe Kunst gemacht
Ich setz die Brille auf, ich setz die Mütze auf, ich mach jetzt Kunst. (Der Künstler kleidet sich in fassadenfrohes HundM-Gedresse, Hut, Brillengestell, Entstellung auf das Uneigentliche ... )
Ich bin ein Ausstellungsstück.
Nicht berühren, nicht anfassen, nicht berühren, nicht anfassen.
Keine Fotos, keine Interviews.
Nichts außer ich. Nur ich.
Sonst nichts.
Ich bin ein Ausstellungsstück.
Ach, was sag ich Ausstellungsstück, ich bin eine ganze Ausstellung, ein gigantisches Museum voll mit epochen- und raumfüllender Kunst.
Ich stell euch die Räume voll, treibe euch in kontroverse Kinos und trickreiche Theater, verführe euch mit konkreten Konzerten, mit allerlei Kunstkonzepten, es ist egal was ich mache, es ist Kunst, es ist egal was ich mache, es ist Kunst.
Ich bin Jazz.
Freejazz.
Ich bin sogar so Freejazz, das ich selber kaum verstehe, wovon ich eigentlich rede.
Mich versteht ja sowieso keiner.
Da laß ich euch schon in meine Denkwelt und ihr weigert euch, so zu denken wie ich.
Ich hab die Brille auf, ich hab die Mütze auf, ich mach jetzt Kunst.
Ich könnte Euch mit der Hand durchs Gesicht fahren, oder nach Hause.
Ich könnte Fehler machen und mich fragen, ob das denn überhaupt Fehler sind, weil ich sie gemacht habe.
Ich könnte sagen, was wirklich wahr ist, Mode interessiert sich nicht für mich.
Ich könnte sagen, Liebe interessiert sich nicht für mich.
Ich könnte sagen, ich bin unkontrollierbar intellektuell.
Ich könnte sagen ich hab was zu tun mit Kunst und so.
Ich könnte sagen ich hab ein brennendes Herz und ein leeres Bankkonto.
Ich könnte sagen, das ist mir alles egal.
Ich könnte sagen, das ich was sagen könnte, was viele sagen könnten, nämlich: Bill Murray ist ein toller Schauspieler, der aber in jedem seiner Filme nur mit 2 Gesichtsausdrücken auskommt, was deswegen gut ist, weil es einfach ist.
Ich habe die Brille auf, ich habe die Mütze auf, ich mach jetzt Kunst.
Ich könnte den Mensch, der ich bin einfach so kaputtmachen und das Kunst nennen.
Ich könnte einen zufälligen Akt sinnloser Gewalt einfach Kunst nennen.
Ich könnte Marienkäfer in der Spätseptembersonne an meiner Fensterscheibe einfach Kunst nennen.
Ich könnte Marienkäfer in der Spätseptembersonne an meiner Fensterscheibe einfach so zerquetschen und das Kunst nennen.
Ich könnte in ein Taschentuch rotzen und es aussehen lassen, wie es klingt und das einfach Kunst nennen.
Ich könnte aufhören, Dinge nennen zu können, die ich Kunst nennen könnte.
Ich könnte diesen letzten Satz einfach Kunst nennen.
Ich habe die Brille auf, ich hab die Mütze auf, ich mach jetzt Kunst.
Dann komm ich hier rein, Kleinkunstirgendwas oder Vernissage und ich komm hier rein und alle gucken, denn ich bin toll, ich bin ein Zirkuspferd und das Lebendige an mir ist die Bewegung. Und allein durch mich beginnt ein Zyklus ansteckender Gesundheit. Und ich sage Sätze in Mikrofone und Mikrofone sagen Sätze in Lautsprecheranlagen und Lautsprecheranlagen sagen Sätze in Universen und diese Sätze könnten lauten: Jemanden nicht zu kennen, ist kein Grund ihn nicht zu hassen. Ich bin ein Ausstellungsstück. Ich bin ein Hochseilautist. Die Nadel im Arm und Gold im Herzen. Die Nadel im Herzhaufen. Ich lasse meine Freundin meine Sachen anziehen, um sie ihr dann vom Leib zu reissen, um das Gefühl zu verstärken, mich selbst zu ficken.
Ich habe die Brille auf, ich hab die Mütze auf, ich mach jetzt Kunst. (der Kunstpatient steckt sich eine Zigarette an, die er lieblos und schnell raucht ... er bläst Rauchschwaden ins Publikum, sein Kopf ist nebelumhüllt und sein Worte brechen erneut sein Schweigen ..., er schreit, tobt, ist außer sich und außerstande zu denken, wirft die Zigarette zu Boden und zermalmt sie auf dem Bühnenholz, wie man es mit unliebsamen Insekten tut, für die man nichts als stolzen Hass empfindet ...)
Ich rauche nie nicht.
Ich denke nie nicht.
Ich bin nie nicht Kunst.
Wort. Tat. Schrift. Bild.
Wort. Tat. Schrift. Bild.
Ich bin nie nicht Kunst.
Ich denke nie nicht.
Ich rauche nie nicht.
Ich habe die Brille auf, ich hab die Mütze auf, ich mach jetzt Kunst. (der Künstler wird leiser, es kehrt eine Ehrlichkeit in seine Stimme zurück, die in dem Momenten zuvor unsichtbar war ..., es sind sich überlagernde Momente, es fühlt sich an, wie nach Hause kommen, die Socken ausziehen und dem Kühlschrank eine Flasche B. zu entnehmen, die man extra für diesen Anlaß dort hineingestellt hat, für das Nachhausekommen ...)
Und ich frag ja nur mal aus reinem Desinteresse: Kennt ihr das Gefühl, wenn einem Engel übers Herz pissen? Das Gefühl, wenn die Sonne nachts scheint. Das Gefühl, jemanden zu lieben, der vor seinen Augen überfahren wird? Und zwar von einem großen, großen Laster. Das Gefühl, jemanden zu lieben, der unerreichbarer als Gott ist? Das Gefühl, das Gott auf einen scheißt? Das Gefühl, in einer Schußlinie zu stehen? Das Gefühl, etwas zu erschaffen, für das sich andere schämen? Das Gefühl, etwas zu erschaffen, für das man sich selber schämt? Das dann wegschmeißen und sich für das Wegschmeißen schämen? Und womit? Mit Recht. Kennt ihr das Gefühl, seine Sensibilitätsgrenzen zu überschreiten, zu zerbrechen und weiterzulaufen? Das Gefühl gestern am Abgrund gestanden zu haben und heute schon einen Schritt weiter zu sein? Das Gefühl haltlosen Fallens, taumelnden Lallens, stupiden Stotterns? Geht ihr erst noch mal Euren Weg durch den Wald der erhobenen Mittelfinger der Ablehung. (der Künstler hebt einen Mittelfinger, vorzugsweise den linken, empor und präsentiert ihn sich und dem Auditorium, halb wahnsinnig beginnt er erneut ein Geschrei, das durch seine Entflammbarkeit die Säulen des Erdballs in Brand setzen könnte ...) Wenn euer Innenleben in Flammen steht, der komplette Apparat am Fackeln ist, können wir ins Gespräch kommen, ob ich euch demnächst vielleicht mal angucken oder grüßen werde.
Ich setz die Brille ab, ich setz die Mütze ab, ich mach jetzt Kunst. (Der Künstler schmeißt seine Fassade von sich und tritt sie auf dem Boden kleinteilig kaputt, brüllt: Yeah, yeah, yeah und wundert sich anschließend über nichts mehr ... er wird leise, demütig fast ...)
Ich setz die Brille ab
ich setz die Mütze ab
ich trau mich,
mich auf mich selbst zu reduzieren
ich setz die Brille ab
ich setz die Mütze ab
ich zieh die Hose aus (aber nicht, um meinen Penis der Weltöffenlichkeit zu präsentieren)
ich mach jetzt Kunst
Abgang Künstler
ausbleibender Applaus
um 23:09 geschrieben irgendwann überirdisch Dirk Bernemann
Donnerstag, März 19, 2009
Buchmesse 2009 in Leipzig
Anstrengend wars. 12.03. - 15.03. war ich auf der Buchmesse Leipzig zugegen. Ich möchte allen Leuten, mit denen ich so zu tun hatte danken, dass sie mit mir zu tun hatten, es war ein inspirierendens Wochenende.
Irgendein anderer Jungautorenrecke, den ich jetzt hier nicht namentlich erwähnen mag, hat mich mal angepupst, warum ich denn wohl gerne auf einer Buchmesse lesen würde, das wäre doch lediglich vollgebusinesst und würde doch relativ abstressend sein. Ich aber sagte ihm, dass ich auf der Buchmesse immer noch mal ne Schüppe mehr Enthusiasmus in meine Vorzeigeliteratur lege, da man die Gelegenheit hat, auch Leuten entgegenzulesen, die sonst nie ein Buch von mir anfassen würden. Außerdem mag und schätze ich die Gespräche, die nach so einer Lesung aufkeimen und oft ist sogar Zeit, diese ausführlich zu bestreiten.Es wurde dann doch irgendwie noch ein gemütlicher Nachmittag auf der Buchmesse, ich sang, ich trank, ich unterhielt mich über Unterschiede innerhalb der Unterschicht. Viele interessierte Leute haben meine Sprache fotografiert.
14.03.2009, 15 Uhr 30, irgendwo lost in Halle 5 mit interessierten Zuhörerinnen und Zuhörern.
Ich hatte vor der Lesung eine Art Tomatensuppe bestellt, deswegen das Kellner.
Dirk Bernemann und drei andere "dirkbernemanns" (Abb.) Das wohl hässlichste Buchcover aller Zeiten. Also fotokünstlerisch toll, aber wie macht man aus Matsche ein Gebilde, das man sich gerne anguckt? Es gibt Momente im Leben, da stimmt einfach alles, außer ich ...
um 09:59 geschrieben irgendwann überirdisch Dirk Bernemann
Dienstag, März 03, 2009
Brettern wie die Sau
Was ham wir wirr gebrettert. Theatert. Kunst hergestellt. "Ich hab die Unschuld kotzen sehen" hat unlängst Theaterboden verunreinigt. So soll das sein.
Leipzig. Centraltheater. Spielstätte "Das weiße Haus". 27.02. - 01.03., also grade erst vorbei und immer noch tiefe Furchen der Eindruckgebung hinterlassend.
Für mich als Autor waren es eindrucksvolle Momente, die da dargestellt wurden, denn ich habe mir diese Momente einst als Fiktion ausgedacht, die nunmehr als bewegte Menschen vor meinem Auge tanzten. Teilweise fehlen mir immer noch die Worte für die dargebrachten Emotionen.
Danke nochmals an alle beteiligten Schauspieler, an Dramaturgin Cynthia Friedrichs und natürlich an alle Gäste der drei Abende, die sich auf das Schauspiel eingelassen haben und danach in angeregte Diskussionen verfallen sind. Gut so, wenn Kunst weiter durch Köpfe fliegt, als zum Zeigezeitpunkt.
Nu is wieder gut mit mit Künstlern rumhängen. Ich bin wieder zuhause und schreib grad neuen Scheiß für Leute, die zwischen ihren Ohren Gehirne aufbewahren. Und für mich.
In einigen Tagen werde ich erneut nach Leipzig aufbrechen, um die Buchmesse zu belesen und zu besuchen und um dort mein aktuelles Buch "Ich bin schizophren und es geht mir allen gut" vorzustellen. Folgendes wird sich zutragen:
13.März 2009 in Leipzig im Kunstkombinat Schräglage 4 - Lesung mit Christoph Strasser, Stafan kalbers, Andreas Kurz, Jana Krivanec
14.März 2009 in Leipzig um 15:30 Uhr auf der Buchmesse im Literaturcafe
Halle 5 Stand B300
14.März 2009 in Leipzig im Victor Jara ab 23 Uhr
Danke. Blumenschmeißen. Verbeugen. Zum Klatschen aufstehen und Popel unter den Sitz schmieren. Danke.
Bernemann im März 2009
um 13:43 geschrieben irgendwann überirdisch Dirk Bernemann
Montag, Februar 09, 2009

Lesungen
Moin,
wollte nur mal kurz loswerden, dass die Braunschweig Lesung vom 06.02. eine grandiose Sache war. Danke nochmal an die Jungs vom Riptide und vor allem an die harmonieherstellenden Gäste dieses umwerfenden Abends. Ich wäre gerne noch in die Menge gesprungen, vom Tisch runter, aber ich wollte niemandem wehtun.
Auch in anderen Orten wird demnächst gelesen.
13.02. Taunusstein - JZ
14.02. Kaiserslautern - Cafe 23
18.02. Wiesbaden - Schlachthof
12.03. - 15.03. Buchmesse Leipzig
21.03. Bremen - Lonely Planet Boy
10.04. Lindenberg - Hirsch
12.04. Coesfeld - Fabrik (im Rahmen der Gothika-Messe)
26.04. Leverkusen - Pentagon (LevLiest)
um 10:48 geschrieben irgendwann überirdisch Dirk Bernemann
Dienstag, Februar 03, 2009
Es gibt Sachen zu kaufen, die sind besser als andere Sachen,
die es zu kaufen gibt.
Das letzte, was ich mir kaufte war eine Flasche Wasser für 0,39 Euro.
Hab aber von Leuten gehört, die kaufen sich Wasserflaschen für 5 Euro und
mehr und meinen: Besonderheit kann man trinken.
Wahrheit: kann man gar nicht.
Nochmal Wahrheit: diese Leute sind dümmer als ihr Getränk.
Offiziell erscheint mein neues Buch
"Ich bin schizophren und es geht mir allen gut"
am 14.02., aber es wird bereits jetzt als E-Book
bei Readbox angeboten.
http://www.readbox.net/book/ich-bin-schizophren-und-es-geht-mir-allen-gut
Freude über Freude über Freude.
Schluck Wasser und Leben!!!
um 08:49 geschrieben irgendwann überirdisch Dirk Bernemann
Donnerstag, Januar 15, 2009
Das „Weiße Haus", eine Spielstätte des Centraltheater Leipzig präsentiert vom 27.02. - 01.03. 2009 eine dreiteilige szenische Lesung meines Buches „Ich hab die Unschuld kotzen sehen.“. Schauspieler lesen und inszenieren im Wohnzimmerambiente dieser Spielstätte Bernemann-Texte und bieten so dem Besucher die pure, konfrontative Gedankenwelt des Autors an. Also es geht um meinen Kopf in den Leibern fremder Menschen.
Die Enge der Räumlichkeiten läßt leider nur eine begrenzte Zuschauerzahl zu, es ist also ratsam, sich für diese absolut exklusiven Veranstaltungen im Vorfeld Karten zu sichern.
Karten gibt es jeweils für 6 Euro unter: 0341 - 12 68 168
Gezeigt werden meine Lieblingsgeschichten aus meinen beiden ersten Büchern, radikal und poetisch in Szene gesetzt von proffessionellen Darstellern. So ein Theaterkörper muß was können, hab ich mir gedacht.
Am 01.03. gibt es nach dem dritten Teil der Aufführung noch eine exklusive Lesung von mir, bei der ich mein neues Buch „Ich bin schizophren und es geht mir allen gut“ vorstelle.
Weil generell immer Blut fließt, wird auch hier Blut fließen ...
Ich bin sehr, sehr froh über das Zustandegekommensein dieser Aufführungsmöglichkeit. Der Rahmen ist klein, die Gefühle dafür umso größer.
Miese Zeiten, geile Kunst
Bernemann
um 14:29 geschrieben irgendwann überirdisch Dirk Bernemann
Mittwoch, Januar 07, 2009
Liebe Leser, Bücherregalbesitzer, Bestsellerbesteller und zufällig mal vorbei Geratene,
das erste, was ich 2009 gemacht habe ist: alles kaputt!!!
Ich habe diesen Blog zerstört, weil ich gemerkt habe, dass sich da Texte eingeschlichen haben, die
1. zu persönlich für fremde Arschnasen
2. zu mies an und für sich
3. zu zu
und
4. in meinem neuen Buch in besser stehen.
Also, nothing for anti-good, ab jetzt nur noch unpersönlichen, offenen Qualitätskram, der nie gedruckt werden wird.
Frieden, vor allem hier,
Dirk Bernemann
um 17:47 geschrieben irgendwann überirdisch Dirk Bernemann




